Zum Tag des Verteidigers des Vaterlandes
und dem 100. Jahrestag der Gründung
der Roten Armee und Flotte


von Generalmajor a.D. Sebald Daum

Am 23. Februar 2018 wird in ganz Russland der „Tag des Verteidigers des Vaterlandes“ begangen und traditionell wird hierbei der heldenhaften Geschichte des russischen Volkes und seiner Armee gedacht. 
Offiziell wurde dieser Tag 1922 durch einen Beschluss des Allrussischen Exekutivkomitees als „Tag der Roten Armee und Flotte“ und jährlicher Feiertag eingeführt.
Nach 1945 wurde er in der Sowjetunion als „Tag der Sowjetarmee und Flotte“ jährlich begangen. Nach der Zerschlagung der Sowjetunion wurde in der Russischen Föderation am 10.Februar 1995 durch die Duma dieser Tag im Rahmen der „Feiertage des Militärischen Ruhmes“ als „Tag des Sieges der Roten Armee über die deutschen Kaiserlichen Truppen (Februar1918) – Tag des Verteidigers des Vaterlandes“ benannt. Ab 1996 wurde dieser Tag in den „Tag des Verteidigers des Vaterlandes“ umbenannt und wird jährlich feierlich begangen.

In diesem Jahr 2018 steht dieser Feiertag im Zeichen des 100. Jahrestages der Gründung der Roten Armee und Flotte und wird somit eine besondere Würdigung im ganzen Land erfahren.
Deshalb soll in diesem Artikel nochmals kurz auf die Gründung der Roten Arbeiter- und Bauernarmee und Roten Arbeiter- und Bauern Flotte eingegangen und deren weiterer ruhmreicher Weg gewürdigt werden.

Gleich nach der Oktoberrevolution war eine der ersten dringendsten Aufgaben der Revolution eine reguläre Armee zu schaffen. Das Land war noch im Krieg und an den Fronten stand die zaristische Armee immer noch mit mehr als 10 Millionen Mann den kaiserlichen deutschen Truppen gegenüber. Diese Armee war für die Verteidigung der Revolution untauglich. Durch den Aufruf der Bolschewiki zum Frieden, herrschte an der Front ein Waffenstillstand. Die Soldaten waren kriegsmüde und wollten nach Hause.
Bereits am 16. Dezember 1917 hatte Lenin ein „Dekret“ zur Veränderung der alten zaristischen Armee und zur „Volks-bewaffnung“ erlassen, worauf sich im ganzen Land in mehr als 780 Dörfer und Städten, in den größeren Fabriken, Rote Garden und Freiwilligenverbände gebildet hatten, um die Revolution zu verteidigen. Diese ca. 20.000 bis dann 100.000 Mann zu Beginn waren zweifelsohne zum Schutz der Revolution zu wenig und auch nicht gut dafür ausgebildet.

Am 25.(12.)* Januar 1918 fasste deshalb der III. Rätekongreß eine „Deklaration des Rechts der Werktätigen und Ausgebeuteten“ zur Bewaffnung des Volkes, faktisch zur Schaffung einer neuen regulären Armee Sowjetrusslands. Bereits Tage später, am 31.(18.) Januar 1918, wurde durch den Rat der Volkskommissare ein „Dekret über die Organisation der Roten Arbeiter- und Bauern Armee“ und am 11. Februar (31.Januar) 1918 das „Dekret zur Schaffung der Roten Flotte“ erlassen. Sie war eine Freiwilligen Armee, aufgebaut auf den bereits handelnden Roten Garden und Milizen. Es gab nur den Dienstgrad Rotarmist. Die Dienstgrade ab Gefreiter aufwärts wurden abgeschafft. Die Kommandeure wurden gewählt und nach Dienststellungen bezeichnet. Bereits am 31. (18.) Januar war auch schon das 1. Armee Korps der neuen Armee aufgestellt.

Die Lage entwickelte sich im Weiteren jedoch höchst gefährlich für den jungen Sowjetstaat. Das kaiserliche Deutschland nutzte die entstandene Lage bei den sich verzögernden Friedensverhandlungen in Brest-Litowsk aus, erklärte den Waffenstillstand für beendet und ging am 18. Februar 1018 an der ganzen Front zum Angriff gegen die russischen Streitkräfte über.
Mit dem Aufruf des Rates der Volkskommissare vom 21. Februar 1918 „Das Vaterland ist in Gefahr“ begannen am 23. Februar 1918 massenhaft Freiwillige sich in die Reihen der Roten Arbeiter- und Bauern Armee einzutragen. Mit der Losung der Partei der Bolschewiki „Kommunisten an die Front“, wurden diese Masseneintritte in die Armee noch verstärkt. So dienten am Ende des Bürgerkrieges über die Hälfte der Mitglieder der Partei der Bolschewiki in der Armee.
   
Am 23. Februar 1918 kam es im Gebiet von Pskow und Narwa zu Zusammenstößen der ersten Truppen der Roten Arbeiter-und Bauernarmee mit Truppen der kaiserlichen deutschen Armee. Die in diesen Gebiet handelnden Regimenter der Roten Armee (u.a. das 2. Regiment der 70. Roten Infanterie Division, Regimenter der 15. Roten Kavallerie Division, das 15. Ukrainische Husarenregiment, das 15. Tataren Ulanenregiment) trieben diese kaiserlichen Kräfte in die Flucht und versperrten ihnen den weiteren Marsch nach Petrograd. Es war der erste Sieg der jungen Roten Arbeiter- und Bauernarmee

Dieser 23. Februar 1918, als Tag der ersten größeren erfolgreichen Abwehr der Intervention durch Truppen der jungen Roten Arbeiter- und Bauernarmee, sowie des massenhaften Eintritts von Arbeiter und Bauern in die Rote Armee, aber auch von Offiziere der zaristischen Armee,, auf Grund des Aufrufs zum Schutze des Vaterlandes, wurde dann ein Jahr später, als Tag der Gründung der Roten Arbeiter- und Bauern Armee und Flotte, sowie als Feiertag des Volkes festgelegt und durch den Stellvertretenden Vorsitzenden des Revolutionären Verteidigungskomitees Slanski, in einem Schreiben am 19. Februar 1919 bekannt gegeben.

Die weiteren Ereignisse zeigten dann die vorhandenen Unzulänglichkeiten in der Freiwilligen Armee, ihrer geringen Stärke (ca. 200.000 Mann), ihrer schlechten Bewaffnung, der unorganisierten Ausbildung und der fehlenden zentralen Führung. Deshalb wurden im Mai 1918 die Allgemeine Mobilmachung ausgerufen, ein „Hoher Militärrat“, das Volkskommissariat für Militärfragen, 6 Militärbezirke und die örtlichen Militärkommissariate geschaffen. Im November 1918 wurde dann der „Rat der Arbeiter und Bauern Verteidigung“, später der „Rat der Arbeit und Verteidigung“ und als höchstes ausführendes Organ zur Formierung der Roten Armee, der „Allrussische Hauptstab“  gebildet und ein „Oberster Oberkommandierende der bewaffneten Kräfte“ der Sowjetrepublik eingesetzt. Ab 08. April 1918 war das Leo Trotzki (Bild li). Ab 22. April 1918 wurde mit einem Dekret die Wahl der Kommandeure abgeschafft. Die Kommandeure vom Zugführer bis Bataillons-Kommandeur wurden von den Militärkommissariaten und die höheren Kommandeure vom Volkskommissariat ernannt. Beim Aufbau der Roten Armee wurden bereits in den ersten Tagen auch Generäle der zaristischen Armee als erfahrene Militär-Spezialisten mit übernommen, wie die Generäle Brusilow, Bontsch-Brujewitsch, Parski u.a., und mit ihnen weitere tausende Offiziere der alten Armee. Bereits in den Anfängen waren es mehr als 30.000 Offiziere. Im Mai 1918 wurde die Allgemeine Mobilmachung ausgerufen, im Juli 1918 das Dekret über die „Allgemeine Wehrpflicht“ für alle männlichen Personen von 18 bis 40 Jahren. Durch diese Maßnahmen hatte die Rote Armee schon im September 1918 über 450.000 Kämpfer und fast 100.000 Mann als Unterstützungs- und Sicherstellungstruppen. Im Herbst 1920 hatte die Rote Armee bereits 5,5 Millionen Mann unter Waffen.

Vom ersten Tage ihres Bestehens stand die Junge Armee im Kampf gegen die „Weißen“ im Bürgerkrieg und gegen die Intervention der 14 ausländischen Staaten. Heldenhaft zerschlugen sie die „Weißen“ Generäle Kappel, Denikin und Koltschak und verjagten auch die ausländischen Interventen.
In diesen Kämpfen entstand eine neue Generation talentierter Herrführer, wie Tschapajew, Frunse, die späteren ersten Marschälle der UdSSR (Bild, von li.) Tuchaschewski, Woroschilow, Jegorow, Budjonny, Blücher. Aber auch die großen Militärs des Großen Vaterländischen Krieges, wie Shukow, Konew, Rokossowsky, Goworow, Shaposchnikow, Wassiliwsky, Meretzko, Tolbuchin und viele andere, sammelten in diesen Kämpfen militärische Erfahrung und zeigten bereit hier ihr großes militärisches Talent.

Nach dem Ende des Bürgerkrieges und der Zerschlagung der ausländischen Intervention, stand vor der nun 1922 geschaffenen Sowjetunion der Wiederaufbau des zerstörten Landes im Vordergrund. Die Armee wurde auf 500.000 Mann verkleinert und bestand neben einigen wenigen Kadertruppen im wesentlichen aus Milizionär-Territorial Einheiten, ungeachtet der bereits in Europa neu entfachten Aufrüstung, insbesondere in Deutschland. Der Schwerpunkt lag auf der Industrialisierung des Landes, der Veränderung der Landwirtschaft, der Sicherung der Ernährung, der schnellen Entwicklung von Wissenschaft und Forschung, aber auch dem Aufbau der Verteidigungsindustrie.
Neben den gewaltigen Erfolgen im Aufbau des Sowjetstaates darf man auch nicht die Ereignisse vergessen, die für die Armee im weiteren von Schaden waren, wie die Repressionen in den 30-Jahren im Land und auch in der Armee.
Ungeachtet dessen war im Land eine große Aufbruchstimmung und der Wille zur Verteidigung seiner Errungenschaften, besonders unter der Jugend, groß. Hervorzuheben ist in dieser Zeit die Entwicklung der sowjetischen Militärwissenschaft und neuer strategischen Theorien, wie der der „Tiefen Schläge“ und des modernen Gefechts.

Die Teilnahme vieler Freiwilliger im Bürgerkrieg in Spanien, die Zerschlagung der japanischen Intervention in der Mongolei am Chalchin-Gol unter Führung von General Shukow, trug viel zur Stärkung der Armee und zur patriotischen Erziehung zur Verteidigung des Vaterlandes bei.
Erst ab 1939 wurde wieder zur Kaderarmee übergegangen und die Armee verstärkt.

Zu Beginn des Großen Vaterländischen Krieges (GVK) hatte sie wieder einen Bestand von ca. 5 Millionen Mann. Es wurden eine Reihe von Maßnahmen ergriffen um die Verteidigungsbereitschaft bis zu Beginn des Krieges zu erhöhen und zu verbessern, die allerdings nicht alle erfolgreich umgesetzt wurden. Auch Fehler in der richtigen Einschätzung der konkreten Lage brachten die sowjetischen Truppen und das Sowjetvolk in der Anfangsperiode des Krieges in eine schwierige Lage und zur Aufgabe großer Teile des Landes. Außergewöhnliche harte Maßnahmen, aber vor allem der unbedingte Wille des gesamten Volkes, besonders seiner Armee, das Vaterland zu retten, brachten Ende des Jahres 1941 die faschistischen Truppen zum Stehen und letztlich zur Zerschlagung seiner Truppen vor Moskau und Stalingrad und damit zur Wende im GVK, die anlässlich der 75. Jahrestages dieser Schlacht an der Wolga besonders gewürdigt wurde. Der Hitlerische „Blitzkriegsplan“ war gescheitert und die Voraussetzungen zum Sieg über den Faschismus gegeben. Am 30. April 1945 wehte auf dem Reichstag in Berlin das „Banner des Sieges“, die Truppenfahne der 150. Schützen- Division des 79. Schützenkorps der 3. Stoßarmee.
Am 09. Mai 1945 erfolgte die bedingungslose Kapitulation der faschistischen Wehrmacht und Deutschlands. Dieser Tag wurde und wird nun jährlich als Tag des Sieges feierlich begangen.
Die Rote Armee und das Sowjetvolk zahlten für diesen Sieg mit großen Opfern und mit mehr als 27 Millionen Toten.
Der Sieg über den faschistischen Eindringling, die Heldentaten der Roten Armee im GVK, seine Opfer und die Lehren dieses Krieges, sind im Volke nicht vergessen und tief in seinem Gedächtnis eingeprägt.

Die Sowjetarmee in ihrer Gesamtheit ging aus diesem Krieg gestärkt hervor. In verhältnismäßig kurzer Zeit wurde das zerstörte Land wieder aufgebaut und erreichte Großes in der wissenschaftlich -technischen Entwicklung. Durch die Entwicklung der Atomwaffen wurde die amerikanische Vorherrschaft auf diesem Gebiet beendet. In der Armee entwickelten sich neue Teilstreitkräfte und Waffengattungen, wie die Strategischen Raketentruppen, die Truppen der Luftverteidigung des Landes. Die gesamte Sowjetarmee erreichte einen hohen Stand der Einsatzbereitschaft und gewährleistete so nicht nur die Sicherheit des eigenen Landes, sondern sicherte auch die strategische Parität zum Erhalt des Friedens, besonders in Europa.

Eine schwierige Entwicklung mussten die Streitkräfte und das ganze Land in den Jahren nach dem Zerfall der Sowjetunion hinnehmen. In den 10 Jahren der Jelzin-Ära hatte Russland seinen Status als Weltmacht verloren, ihre Armee war im Niedergang. Auch die zwei Kriege mit Tschetschenien, sowie die „Blumenrevolutionen“ in den ehemalige sowjetischen Nachbarstaaten Georgien, Ukraine und Kirgisien, belasteten den Staat und seine Armee stark.

Erst unter der Präsidentschaft Putins geht es im Land und bei seiner Armee wieder aufwärts, trotz Sanktionen des Westens, und aller Provokationen der USA und der NATO an seinen Grenzen. Russland geht seinen eigenen Weg zur Entwicklung und Stärkung des Landes und zum Schutz seiner Interessen und widersetzt sich dem Prinzip der USA, Probleme in der Welt mit Kriegen zu lösen. Durch den Einsatz von Kräften der Luftkosmischen Streitkräfte in Syrien, auf Bitte der syrischen Regierung, seiner humanitären Hilfe in dem zerstörten Land, erfüllen die russischen Streitkräfte auch ihre internationale Pflicht zum Schutz Syriens. Die russische Armee ist im Volke wieder hoch angesehen und das Volk vertraut seinen neu erstarkten Streitkräften.

Wenn das Russische Volk und seine Armee am 23. Februar 2018 den „Tag des Verteidigers des Vaterlandes“ und den 100. Jahrestag der Gründung der Streitkräfte mit Stolz feiert, im ganzen Land Kranzniederlegungen erfolgen, seine Helden geehrt und in den Heldenstätten Ehrensalute geschossen werden, so in dem Bewusstsein, dass die gesamte Geschichte der Streitkräfte, von den Roten Garden beginnend, der Sowjetarmee und der heutigen Russischen Armee, ihre Stärke, ihre Erfolge und Siege, in der tiefen Verbundenheit mit dem Volk und der Unterstützung durch das Volk liegen. Der Patriotismus der Soldaten und der Bürger, die nicht nur einmal das Land vor Unheil bewahrt haben, ist auch heute die Grundlage der Sicherheit des Vaterlandes. Denn wieder drohen dem Land Ungemach und Gefahren an seinen Grenzen. Der alte Geist der Zerstörung Russlands, seiner Verteufelung ist wieder schlimmer als je zuvor.
Deshalb wird heute in Russland dieser Patriotismus des Volkes und sein unbeugsamer Wille zum Schutz des Vaterlandes besonders gewürdigt, werden seine Veteranen, die Helden und Heldentaten im GVK, aber auch seine Helden im Kampf gegen den Terrorismus, ihre Internationalen Einsätze, besondere Würdigung erfahren. Die heutigen Verteidiger des Vaterlandes der Russischen Föderation setzen durch ihren Dienst die ruhmreiche Geschichte ihrer Armee zum Schutz ihres Vaterlandes erfolgreich fort.

Auch wir, die Bürger der DDR und ihre Soldaten der Nationalen Volksarmee, haben in unserer Geschichte eine enge Verbundenheit mit dem sowjetischen und russischen Volk und seiner Armee erlebt, von der Befreiung vom Faschismus 1945 beginnend, was nie vergessen werden darf. Deshalb waren die Verbindungen zum sowjetischen Waffenbruder, die Waffenbrüderschaft zu einer Herzenssache in den Beziehungen unserer beider Armeen geworden.

Die Pflege dieser Tradition im „Verband zur Pflege der Traditionen der Nationalen Volksarmee und der Grenztruppen der DDR“ ist damit auch weiterhin untrennbarer Bestandteil unserer Arbeit. Dies kommt in unserer engen Verbindung mit den „Verband der Veteranen der GSSD /der Westgruppe“ durch eine Reihe von Aktivitäten der Zusammenarbeit zum Ausdruck. Hervorzuheben seien hier vor allem unsere gemeinsamen Gedenken zum Tag der Befreiung des deutschen Volkes vom Faschismus am 08. Mai und zum Tag des Sieges am 09. Mai im Treptower Park in Berlin.
 
Wir wünschen den Mitgliedern des „Verbandes der Veteranen der GSSD/Westgruppe in Deutschland“, den Veteranen der russischen Streitkräfte, allen Armeeangehörigen der russischen Streitkräfte und ihren Familienangehörigen zu diesem Feiertag alles erdenklich Gute, Glück und Gesundheit, sowie weitere Erfolge zum Schutz ihres Vaterlandes und ein dreifaches „Hurra“.

(* Zahlen in Klammern ist das Datum nach altem Kalender)