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- Grußwort zum 01. März 2026, dem 70. Jahrestag der NVA
24.02.2026
Liebe Mitglieder und Freunde des Verbandes zur Pflege der Traditionen der NVA und der GT der DDR!
Anlässlich dieses Jubiläums lohnt sich ein kurzer Blick in die Geschichte.
Am 18.01.1956 beschließt die Volkskammer der DDR das Gesetz über die Schaffung der NVA und des Ministeriums für Nationale Verteidigung.
Der MfNV, Generaloberst Willi Stoph, erlässt den Befehl Nr. 01/56 über die Aufstellung der NVA und die Bildung des MfNV.
Am 1. März 1956 ist die volle Arbeitsbereitschaft des MfNV, der Kommandos der beiden Militärbezirke der Landstreitkräfte, der Luftstreitkräfte und der Seestreitkräfte hergestellt.
Der 1. März wird im Oktober 1956 zum „Tag der Nationalen Volksarmee“ erklärt.
Viele tausend vorwiegend junger Menschen der DDR, zunächst Freiwillige, ab 1962 auch Wehrpflichtige haben seit dem einen verantwortungsvollen Dienst geleistet. Gemeinsam mit den Angehörigen der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland wurde die Verteidigungsbereitschaft der DDR gewährleistet und der Frieden gesichert. Sie alle können heute sagen – ich habe in der Ersten Deutschen Friedensarmee gedient, eine Feststellung, die inzwischen nicht mehr nur eine Floskel ist!
Das ist unsere Tradition, die es zu bewahren und zu Pflegen gilt, das ist der Auftrag unseres Verbandes! Dazu wünschen wir allen Mitgliedern und Freunden Gesundheit und Kraft!
Generalmajor a.D. Wegner war 1952 einer dieser jungen, freiwilligen Soldaten. Heute 92-jährig wird er uns im Folgenden seinen Lebensweg, seine Motive dazu darstellen.
| H. Prauß, Oberst a.D. | F. Munkelt, Oberst a.D. | |
| Vorsitzender | Sprecher des Ältestenrates |
von Generalmajor a.D. Gerd Weber
Der 70. Jahrestag der Gründung der NVA steht vor der Tür und er veranlasst mich, über die Zeit und das eigene Tun erneut nachzudenken.
Im März 1952 besuchte ich als 19-jähriger die Kreisparteischule und zur gleichen Zeit wurden im FDJ-Aufgebot junge Menschen für den Dienst in den bewaffneten Organen geworben. Zu dieser Zeit war ich nicht für den Dienst als Berufssoldat bereit. Ich war Bauernförster im Verantwortungsbereich der Bäuerlichen Handelsgenossenschaft Pollitz (Altmark) und sah meine Zukunft in der Forstwirtschaft.
Meine Mutter, eine überzeugte Sozialistin, erklärte auf dem 4. Bundeskongress des Demokratischen Frauenbundes, welcher vom 16. bis zum 19.05.1952 in Berlin stattfand: "Mein Sohn geht zu den bewaffneten Kräften der DDR und folgt damit dem FDJ-Aufgebot!" Was blieb mir übrig, als dem zu folgen! Jedoch liebäugelte ich mit einer Dienstzeit von drei Jahren. Das war für mich eine Zeit, die mir eine spätere berufliche Entwicklung ermöglichen sollte.
Aber es kam anders. Nicht drei Jahre diente ich in den bewaffneten Organen, sondern 38! Der moralische Zwang, den mir meine Mutter auferlegte und ein Ereignis in den ersten Wochen als Soldat in Burg trugen dazu bei, dass sich meine Sicht über den Dienst veränderte. Ein Kommissar hielt eine Politinformation, in der eine Aussage meiner Meinung nach nicht stimmte. Das sagte ich dem Kommissar und er reagierte unsanft: "Woher wollen Sie das wissen?" Ich konterte mit den Worten: "Das habe ich anders gelernt und zwar auf der Bezirksjugendschule der FDJ (14 Tage), auf einem 4-wöchigen Lehrgang für Pionierleiter und einem 6-wöchigen Lehrgang auf der Kreisparteischule." Er: "Dann wissen Sie tatsächlich mehr als ich und deshalb schlage ich Sie zur Ausbildung als Politoffizier vor!" Und so kam es dann auch.
Und wenn ich über meine Dienstzeit vom Soldaten bis zum General nachdenke - im Alter von 92 Jahren kann und muss man es (denn viel Zeit habe ich sicher nicht mehr) - so ist mein Fazit: Der Schritt, den ich gegangen bin, war richtig!
Die bewaffneten Kräfte der DDR haben mit dazu beigetragen, dass aus dem Kalten Krieg kein heißer geworden ist und keine Mutter ihren Sohn beweinen musste. Wir waren nicht in anderen Ländern oder Krisengebieten im Einsatz. Die NVA war im wahrsten Sinne des Wortes eine Friedensarmee. Unsere Aufgabe war es, die DDR und andere uns verbündete Staaten zu schützen. Diese Aufgabe haben wir erfüllt. Die Aufrechterhaltung der ständigen Gefechtsbereitschaft hat viel gefordert und oft wurde die Leistungsgrenze der Soldaten ausgereizt. Aber es hat sich gelohnt. Kriege sind in der heutigen Zeit wohl führbar, aber nicht gewinnbar. Kriege sind für die Menschen das Schlimmste, was es im Leben geben kann. Deshalb gebietet die Zeit, alles zu tun, um Kriege zu verhindern! Diese Erkenntnis fußt auch aus dem Erlebten als Kind: Alle Bombenangriffe auf Magdeburg, vom Ersten bis zum Letzten, habe ich ängstlich miterleben müssen. Am Krieg verdient nur die Rüstungsindustrie.
Im Mai 1990 ließ ich mich auf eigenen Wunsch aus der NVA entlassen. Ende September/Anfang Oktober 1990 wurde die NVA liquidiert und die allermeisten Berufssoldaten entlassen. Nach dem Dienst stand nun auch bei mir die Frage: Wo finde ich Arbeit? Für das Rentnerleben war ich noch zu jung und als ehemaliger Politoffizier wurde man auch nicht gerade mit offenen Armen empfangen! Ich hatte Glück und bekam eine ehrenamtliche Aufgabe bei der BfA als Versicherungsältester. In dieser Tätigkeit konnte ich vielen Bürgern - ehemaligen Angehörigen der bewaffneten Organe der DDR und Zivilisten - helfen, mit dem neuen Rentensystem klar zu kommen. In Beratungen, mit Vorträgen in Frankfurt/Oder, Magdeburg, Stendal, Rostock, Görlitz, Kamenz und Strausberg sowie in sehr vielen Gesprächen habe ich versucht, den Fragern und Verunsicherten hilfreich zur Seite zu stehen.
Bald wird sich auch mein Leben vollenden und ich kann aus voller Überzeugung sagen:
"Ich hatte ein erfülltes Leben und ich habe nichts zu bereuen!"