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Rezension zu den neu erschienenen Buch von Ralf Rudolph/Uwe Markus

"Renaissance einer Weltmacht"

Erschienen im Verlag Phalanx / Edition Militärgeschichte und Sicherheitspolitik

Renaissance einer Weltmacht Zu den von beiden Autoren bereits erschienenen Büchern ist diese Neuerscheinung besonders interessant. Sie behandelt eine Problematik, die angesichts der Machen­schaften in der Ukraine hochaktuell ist.

Das Hauptanliegen des Buches ist das Streben Russlands in der künftigen Weltpolitik wieder mit tonangebend zu werden. Nach der verheerenden Politik der Gorbatschow/ Jelzin Ära, die zur Zerstörung der Sowjetunion führte und Russland politisch und wirtschaftlich tiefgreifend schwächte sowie militärisch zerrüttete, soll nun, im Inter­esse der Sicherheit des Landes, ein Neuanfang erfolgen.

Dabei spielen auch die Veränderungen in der Welt, eine wichtige Rolle. In diesem Pro­zess hat sich auch Russland, als Kern- und größtes Staatsgebilde der ehemaligen Sow­jetunion auf seine Möglichkeiten und Stärke besonnen. Sehr zum Missfallen der USA. Neben China, als zukünftiger Hauptkonkurrent, besteht nach wie vor seitens der USA gegenüber Russland eine offensichtliche Feindschaft.

Das zeigen besonders die vielfältigen Aktivitäten der NATO, sich in Richtung Osten auszuweiten. Obwohl bei den Verhandlungen 1990 über die Zukunft Europas von westlicher Seite beteuert wurde, eine Osterweiterung der NATO werde es nicht geben.

Nicht zu übersehen ist, dass die USA als weltweit größte Atommacht dennoch einen gewissen Respekt vor den russischen Atomwaffen haben, die auch die USA gefährlich treffen könnten. Aber auch die Anstrengungen Russlands auf wirtschaftlichen und militärischen Gebiet stärker aufzutreten und damit auch politisch Einfluss zu gewinnen, werden von den USA und den westlichen Ländern, auch von Deutschland, mit Misstrauen verfolgt. Bei bestimmten politischen Ereignissen, wie jetzt in der Ukraine führt das zu offener Russlandfeindlichkeit.

In Ihrem Buch führen die Autoren an, das die russischen Führung, unter Präsident Putin, von der Prämisse ausgehen, dass in einer zukünftigen multipolaren Welt, Russland nur mitsprechen kann, wenn es auch militärisch auf der Höhe der Aufgaben steht. Deshalb Militärreform, größere Anstrengungen zur Modernisierung der Armee, das heißt auch höhere Militärausgaben und Weiterentwicklung der Rüstungsindustrie. Die Autoren führen anschaulich und konkret an, welcher Rückstand in den 20 Jahren nach der Zerschlagung der Sowjetunion und der Sowjetarmee entstanden ist.

Mitte der 90er Jahre schätzten die USA ein, das Russland als militärischer Faktor keine Rolle mehr spiele. Große Teile der Sowjetarmee gingen an die einzelnen, neu gebildeten Republiken. Nicht nur die Truppenteile, die dort stationiert waren, sondern auch die Waffen und die Militärtechnik – selbst Atomwaffen und vor allem Flugplätze mit entsprechenden Flugzeugen und Luftabwehrsystemen. Von großer Wichtigkeit sind auch die Luftüberwachungsstationen, ohne die eine Luftabwehr nicht funktioniert.

Mit großem Aufwand hat Russland, durch Verträge mit den neuen Staaten, einen Teil dieser Stützpunkte gepachtet und bezahlt dafür viele Millionen. US-Dollar. Bisher gehörte auch der russische Kriegshafen Sewastopol auf der Krim dazu, wofür auf Vertragsbasis die Ukraine 30% Rabatt für die Gaslieferungen erhielt.

Im genannten Buch haben die Autoren eine sehr detaillierte Auflistung dieser Militärstütz- punkte vorgenommen. Gleichzeitig werden auch die Anstrengungen aufgezeigt, die bisher unternommen werden und weiter vorgesehen sind, um schrittweise diese "Außenposten" auf russisches Territorium zurück zu verlegen. So wird beispielsweise auch der militärische Teil von Baikonur, der Raketenstartplatz, von Kasachstan auf russisches Territorium verlegt.
Ebenso werden die Luftraumüberwachungsstützpunkte aus den Mittelasiatischen Republiken schrittweise aufgelöst.

Die im Buch umfassend dargestellte Militärreform Russlands geht von der politischen Notwendigkeit für die Sicherheit des Landes aus und zeigt die einzelnen Maßnahmen in der Armee und Flotte, sowie der Rüstungsindustrie sehr konkret und detailliert auf. Dabei ist das umfangreiche Zahlenmaterial und die bildhafte Darstellung der Waffen - und Technikarten besonders interessant.

Ausgehend von dem Programm zur Militärreform, dass Präsident Putin am 27. Februar 2013 im russischen Verteidigungsministerium erläuterte, wird im Buch im Einzelnen behandelt:
Das Volumen der Rüstungsausgaben: Sie sollen in einem Programm, das bis 2020 ausgelegt ist, enorm sein, so Putin. Davon sind 80 % für den Kauf neuer Waffen und 10 % für die Entwicklung neuer Waffen und Militärtechnik vorgesehen.

Diese Schwerpunktbildung zeigt auf, welche wichtige Rolle der russischen Rüstungsindustrie dabei zu kommt. Es wird aufgezeigt, wie in den 90er Jahren, in der Jelzin-­Ära, die Rüstungsindustrie vernachlässigt wurde. So bekamen die Rüstungsbetriebe nur noch 40 % der Mittel gegenüber 1991. Die Anzahl der Beschäftigten ging von 5,5 Mio. auf 1.5 Mio. zurück. Die Folge war, dass der Armee nahezu keine neuen Waffen und Technikkomplexe zugeführt wurden.

Die Autoren schildern wie auch ein Teil militärischer Führungskräfte, dazu gehört auch der ehemalige Verteidigungsminister und der Chef des Generalstabes, in Richtung Westen tendierten, um dort neue Waffen zu beschaffen. Sie wurden schließlich abgelöst. Die neuen Verantwortlichen bauen wieder auf die bewährte russische Verteidigungsindustrie.

Die Regierung will Russlands Verteidigungsindustrie erneuern. So ist vorgesehen, bis 2020 75 Mrd. € für die Modernisierung der Rüstungsindustrie auszugeben. So umfangreich und sicher auch notwendig diese Maßnahmen sind, den eingetretenen Rückstand gegenüber den USA werden sie jedoch nur teilweise kompensieren können. Neben der Ausrüstung für die eigene Armee soll auch der Rüstungsexport erweitert werden.

Auch innerhalb der Armee sind neue Wege aufgezeigt. So soll schrittweise der Ausbildungsstand durch Längerdienende verbessert werden. Gleichzeitig soll auch der persönliche Schutz der Kämpfer einen höheren Grad erreichen. Und nicht zuletzt soll es mehr Sold geben.

Eine entscheidende Frage wird aber bei allen diesen Aufgaben nicht eindeutig beantwortet:
Welche Auswirkungen hat das auf die vielfältigen Aufgaben zur Verbesserung des zivilen Lebens und der sozialen Lage der Bevölkerung?

Das sind nur einige Hauptaspekte der Veränderungen zur Erhöhung der Sicherheit des Landes.
 Das Buch zeigt eine Fülle weiterer Maßnahmen auf diesem Gebiet auf. Für Interessierte ist es eine wahre Fundgrube.

Dr. Johannes Oreschko

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