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Rezension von Dr. Holger Michael

Die Grenzpolizei/Grenztruppen in Thüringen 1946 – 1990

Die Grenzpolizei/Grenztruppen in Thüringen 1946 – 1990

Prauß, Herbert, Poller, Martin.
2. bearbeitete Auflage 2021, Verlag Rockstuhl
177 Seiten. 19.95 € . ISBN 978 – 3 – 95966 – 537 – 7


Dieses Büchlein, inzwischen vor der 3. Auflage, ist allein schon von der Aufmachung her ein Juwel: Handliches Format, Glanzpapier, farbige Abbildung von Symbolen, Auszeichnungen, Strukturen, Übersichten, Karten und viele auch unbekannte Fotos. Erstaunlich, wie es gelungen ist, so viele verschiedenartige und umfangreiche Informationen auf 177 Seiten zu bannen. Die Autoren zeichnen sich durch höchste Kompetenz und bewundernswerte Akribie aus: Einer von ihnen war einer der jüngsten Regimentskommandeure der DDR – Grenztruppen und Stabschef des Grenzkommando Süd. Der andere stellvertretender Kommandeur für Rückwärtige Dienste der 4. Motorisierten Schützendivision der NVA in Erfurt.  Nach Ansicht des langjährigen Kommandeurs des Grenzkommando Süd, Generalmajor a.D. Heinz Janshen, ist es hier gelungen, „anschaulich und übersichtlich die historischen Ereignisse zu schildern“. Doch es ist erheblich mehr: Eine einzigartige Dokumentation  mit einer enormen Fülle an Fakten, Informationen und Tatsachendarstellung. Diese Arbeit bezieht sich derart auf Primärquellen und Dokumente, dass sie faktisch schon selbst als Quelle bezeichnet werden könnte. Sie wird zweifelsohne als ein Schlüsseldokument für weitere, noch mehr ins Detail gehende Forschungen nicht nur der Grenztruppen, sondern der DDR -  Regionalgeschichte in Thüringen, dienen. Es umfasst nicht nur eine spannende und flüssig lesbare chronologische Abfolge der wesentlichen Ereignisse zur Geschichte der Grenztruppen der DDR und in Thüringen, mit umfangreichen Strukturdarstellungen, sondern wird auch von den Autoren verständlich und leserfreundlich reflektiert. Dass zwei historische Ereignisse nicht ganz exakt bewertet worden sind, fällt daher nicht auf. Die Entwicklung der Grenztruppen wird als Reaktion auf die Wechselwirkung zu den politischen Ereignissen vorgeführt, als Vollzug militärpolitischer Notwendigkeiten. Damit ist der Vorwürfe einer wie auch immer verstandenen und deplatzieren Bezeichnung „Militarisierung der Grenztruppen“ gegenstandslos. Obwohl sich das Werk im  Detail auf Thüringen beschränkt, steht die Entwicklung der dortigen Grenzer im Prinzip für alle DDR - Grenztruppen, sieht man von den Besonderheiten der Berliner und Küstensicherung ab. Hier verliefen 55 % der 1 378 km langen DDR – Grenze und waren etwa 43 % des Personalbestandes konzentriert. Dadurch gibt es heute etwa eine viertel Million ehemalige Thüringer Grenzer. Das ist ein enormes politisches Potenzial von Menschen, die auch heute noch in der Regel zu ihrem berechtigten historischen Auftrag stehen und überwiegend der Meinung sind, einer guten Sache gedient zu haben. Oft konnte ich mich als ehemaliger Thüringer Grenzoffizier von der politischen Qualität auch der vielen ehemaligen Wehrpflichtigen überzeugen. Noch heute kommen viele ehemalige Grenzer zu Besuch an ihre ehemaligen Standorte und Abschnitte, pflegen Verbindungen zu ihren Vorgesetzten, treffen sich regelmäßig usw. Deshalb sicher auch, weil sie allein durch ihren politischen Auftrag und Erfahrungen in ihrem besonders aufopferungsvollen Dienst sich zurecht als eine besondere Truppe verstehen. Sicherlich mehr als bei der NVA hinterließ ihr Grenzdienst bis heute ein in der Regel positives Bekenntnis zur DDR.
DDR – Grenzdienst in Thüringen bedeutet nicht nur besonders harten Dienst, sondern auch Aufenthalt in einer einzigartig  schönen Landschaft, in der sich nicht von ungefähr die Erholungszentren unserer Republik konzentrierten. Wer hier als Grenzer die Reize jener Landschaft in allem Jahreszeiten erlebt hat, wird bis heute davon fasziniert sein. Thüringen ist sicherlich eine der Grenzregionen, wo der Dienst auch einen Hauch von Romantik besaß.
Gerade für ehemalige Grenzer eröffnet dieses Buch einen überraschenden und wohltuenden Rückblick auf ihre Jugendzeit. Hier finden sie ihre Einheiten, ihren Grenzabschnitt, teilweise mit den Namen ihrer Vorgesetzten, und somit sich selbst wieder.
Das auch äußerlich bestens aufgemachte Büchlein bietet nicht nur für „alte Grenzer“, sondern auch für diejenigen, die sich ein objektives Bild fern von kaltkriegerischen Manipulationen über die DDR und ihre Streitkräfte machen wollen ein politisch ausgewogenes, sachlich exaktes und wertvolles Nachschlagewerk. Daher eignet es sich gut nicht nur für das eigene Interesse an historisch Einmaligem, sondern auch als überraschendes Geschenk.

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