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75. Jahrestag der Befreiung
der Belorussischen Sozialistischen Sowjetrepublik

Eine Veranstaltung organisiert vom deutsch-russischen Museum Berlin-Karlshorst
gemeinsam mit der Botschaft der Republik Belarus in Berlin

von Oberstleutnant a.D. Siegfried Eichner

Am 3. Juli 1944 befreite die Rote Armee im Rahmen ihrer „Operation Bagration“ Minsk. Bei ihren Angriffshandlungen wurde sie dabei durch von der STAWKA vorgegebene Handlungen der in keinem anderen Land Europas so starken Partisanenbewegung unterstützt.
Bis Ende Juli 1944 war die gesamte Belorussische SSR befreit und in diesem Abschnitt die sowjetische Staatsgrenze von 1939 wieder hergestellt.

Jenem historischen Ereignis widmete sich diese Veranstaltung im Karlshorster Museum, ebenso eine neugestaltete Ausstellung in den oberen Räumen des Museums.
Den Abend moderierte Dr. Jörg Morré, Direktor des Museums Berlin-Karlshorst.
Auf dem Podium diskutierten Frau Natalia A. Yatzkevich vom Museum der Geschichte des Großen Vaterländischen Krieges in Minsk und Prof. Dr. Thomas Bohn von der Universität Gießen, zugleich Mitglied der deutsch-belarusischen Historikerkommission.

In ihrem Einleitungsvortrag beschrieb Frau Yatzkevich das mehr als dreijährige Martyrium der Bevölkerung Belorusslands unter der faschistischen Besatzung. Ihre Schilderungen verwiesen auf die gewaltigen Opfer und das kaum vorstellbare Leid, dem die Menschen ausgesetzt waren. Mit den dazugehörigen Bildern, Dokumenten, Filmausschnitten und persönlichen Berichten war der fassungslose Betrachter in der vor Veranstaltungsbeginn besichtigten neuen Ausstellung bereits konfrontiert worden.

Vom 22. Juni 1941 bis Ende Juli 1944 verlor jeder dritte Einwohner der Belorussischen Sowjetrepublik sein Leben. Nahezu der gesamte jüdische Teil der Bevölkerung wurde ermordet. Mehr als eine Million kriegsgefangene Angehörigen der Roten Armee ließen die deutschen Besatzer, und hier vor allem auch die deutsche Wehrmacht, allein bis Ende Oktober/Anfang November 1941, in regelrechten Todeslagern in Belorussland verhungern.

Die großen Raumgewinne der faschistischen Angreifer in den ersten Kriegswochen hatten zur Folge, dass es keine Evakuierungen der Bevölkerung, von Werken und Vorräten aus Belorussland in das sowjetische Hinterland gab.
Vielleicht ist hierin auch ein Grund für die große Stärke der belorussischen Partisanenbewegung zu finden.

Für den aufmerksamen Zuhörer war es dann mehr als nur verstörend, wenn deutsche Historiker in der Diskussion angesichts der vom sowjetischen Generalstab (STAWKA) in die Planung der Operation „Bagration“ mit einbezogenen Handlungen der Partisanenformationen die Frage aufwarfen, ob denn Belorussland dann nicht eher von den Partisanen als von der Roten Armee befreit worden ist.
So eine Geschichtsklitterung tut wahrlich schon weh.

Es wirft sich aber eher ein viel ernsteres Problem auf:
Deutsche Politiker aller Fraktionen betonen angesichts des Holocaust die besondere Verantwortung der BRD gegenüber dem jüdischen Volk und gegenüber dem Staat Israel. Müsste es nicht seitens der BRD angesichts des gleichfalls unvorstellbaren Leides, das über das belorussische Volk und andere Völker der UdSSR im 2. Weltkrieg gebracht wurde, ebenfalls eine besondere Verantwortung für Frieden und Sicherheit gegenüber den heutigen Nachfolgestaaten der damals überfallenen Sowjetunion geben?
Und diese besondere Verantwortung der BRD kann ja keinesfalls darin bestehen, als NATO-Speerspitze erneut deutsche Panzer am Bug aufzufahren.

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