19.03.2026

Rudolf Gyptner
(* 4. Januar 1923 in Hamburg
† 28. November 1944 in Pawonków)
war ein deutscher Kommunist und Widerstandskämpfer

 

Leben

Rudolf Gyptners Vater war der Kommunist Richard Gyptner. Die Familie immigrierte vor der Geburt von Rudolf in die Sowjetunion. Sie kehrte 1923 nach Deutschland zurück. 1933 emigrierte sie zunächst nach Frankreich und dann erneut in Richtung Moskau. Rudolf wurde Mitglied der Roten Jungpioniere und trat später dem Komsomol bei. Rudolf meldete sich am Tag des Überfalls der deutschen Wehrmacht auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 zur Roten Armee. Zunächst leistete er aber im Auftrag der KPD politische Überzeugungsarbeit in Kriegsgefangenenlagern. Später wurden er und sein späterer Mitkämpfer Josef Giefer zum Funker ausgebildet.

 
Rudolf Gyptner  (04.01.1923 - 28.11.1944) 

Am 9. August 1944 beschloss die ZK-Abteilung für außenpolitische Information der KPdSU (OMI) mehrere vom Institut 100 speziell geschulte Männer der KPD hinter den faschistischen  Linien abzusetzen, um dort Kontakt zu Partisanen aufzunehmen, die im Untergrund kämpften. Rudolf Gyptner, Arthur Hoffmann, Ferdinand Greiner, Joseph Giefer und Josef Kiefel landeten am 23. August 1944 mit dem Fallschirm bei Lublinitz/ Lubliniec, eine Stadt ca. 35 km entfernt von Częstochowa/Tschenstochau in Oberschlesien und wurden zunächst von polnischen Partisanen der Armia Ludowa aufgenommen, später nahmen sie Kontakt zu einer örtlichen Einheit der Heimatarmee unter Jozef Karpe, Deckname „Tadeusz“ auf. Insgesamt kämpften sie drei Monate an der Seite der Partisanen. Auf ihrem Weg in Richtung Breslau/ Wroclaw teilten sie Standorte von Munitionslagern und Verteidigungsstellungen der Faschisten mit und nahmen an bewaffneten Aktionen der Partisanen teil. Vermutlich durch ihre Funkaktivitäten wurde der Standort der Gruppe auf einem Gehöft des polnischen Patrioten Roch Kurpies in Pawonków/ Pawonkau/ RB Oppeln von der faschistischen Wehrmacht aufgeklärt. Von polnischen Genossen gewarnt, teilte sich die Gruppe. Kiefel, Greiner und Hoffmann konnten fliehen, während Gyptner und Giefer diesen Rückzug deckend nach heldenhaftem Kampf am 28. November 1944 durch SS und Gestapo getötet wurden.


Erinnerung

Zur Erinnerung an Rudolf Gyptner wurden Einrichtungen und Organisationen in der DDR nach ihm benannt, darunter die Rudolf-Gyptner-Kaserne in Lehnitz bei Oranienburg in der das Artillerieregiment AR-1 der 1. Mot.-Schützendivision der NVA „Rudolf Gyptner“ stationiert war, die 28. POS „Rudolf Gyptner Oberschule“ in Berlin-Prenzlauer Berg, die Nachrichtenabteilung der Bereitschaftspolizei in Basdorf und auch der erste Grenzposten der  Polnischen Grenztruppen WOP trugen ebenfalls den Namen „Rudolf Gyptner“.

Die polnische Regierung enthüllte an der Mühle in Pawonków eine Gedenktafel, die in deutscher Sprache lautet:

„An dieser Stelle starben am 28. November 1944 durch die Hand der Hitlerschergen brüderlich im gemeinsamen Kampf Joseph Giefer und Rudolf Gyptner und der Kämpfer der polnischen Widerstandsbewegung Roch Kurpies. Ehre ihrem Andenken.“

 Gedenkstätte in Pawonków

 Gedenkstätte in Pawonków

 Gedenktafel am polnischen Grenzposten in Kostrzyn

Gedenktafel am polnischen Grenzposten in Kostrzyn

 

Die Zeremonie zur Ernennung der Einheit zum Schutzpatron des Helden der deutschen antifaschistischen Bewegung fand am 6. Mai 1965 statt. Richard Gyptner nahm ebenfalls an der Veranstaltung teil und präsentierte bei Treffen mit Soldaten, Pfadfindern und Schülern die Biografie seines Sohnes.

Die Ehrung Rudolf Gyptners war ein Baustein beim Aufbau der polnisch-deutschen Aussöhnung. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die neue polnisch-deutsche Grenze entlang der Flüsse Oder und Neiße zu einer Grenze des Friedens und der Freundschaft.

Eines der Symbole für den neuen Charakter der gemeinsamen Grenze war der nach Rudolf Gyptner benannte WOP-Wachturm in Kostrzyn nad Odrą mit der Gedenktafel für ihn. Diese Gedenktafel befand sich bis 1991 vor Ort und verschwand dann leider spurlos.

Bilder vom Treffen polnischer Genossen mit dem Vater von Rudolf, Richard Gyptner 1965  Bilder vom Treffen polnischer Genossen mit dem Vater von Rudolf, Richard Gyptner 1965 

Bilder vom Treffen polnischer Genossen mit dem Vater von Rudolf, Richard Gyptner 1965

 

 

Torsten Postrach,
Oberleutnant a.D. 

 

 

 

 Quelle:      Deutsche Widerstandskämpfer 1933-1945. Biographien und Briefe- Bd. 1, S. 314
Erinnerungen und Nachforschungen von Major Marek Aleksandrowicz vom Polnischen Schützenverband 
 

Die drei letzten Bilder wurden uns freundlicherweise vom Major Marek Aleksandrowicz zur Veröffentlichung überlassen.

      
siehe auch Beitrag hier auf unserer Homepage unter Traditionsnamen

  
            

 

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