10.09.2026
Besuch bei Unbekannten der gleichen Waffengattung
Als wir noch im aktiven Dienst waren, trugen wir die gleiche Waffenfarbe, hatten den gleichen Chef und die Offiziere studierten an der gleichen Sektion der OHS „Ernst Thälmann“ in Zittau. Dank der Geheimhaltung wusste keiner was der andere tat. Mit Raketen, auch wenn sie unterschiedlich groß waren, hatten beide zu tun.
| Am 5. September 2026 besuchten die Mitglieder der Gruppe der Panzerjägerabteilung-8 „Heinrich Dollwetzel“ das Raketenmuseum in Demen. Unsere kleine Truppe traf pünktlich in Demen, ca. 30 km östlich von Schwerin, ein. Wir wurden vom stellvertretenden Vorsitzenden des Militärhistorischen Vereins Demen e.V. Major a.D. Dietmar Küpping begrüßt. Er und Hptm. a.D. Jürgen Wienke machten uns mit den Aufgaben und der Geschichte der 5. RBr und der BRTB-5 am Standort Demen bekannt. |
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Die Aufgaben und die Hauptbewaffnung der Brigade, der operativ-taktische Raketenkomplex 9K72 (Scud B) und ab 1985 zusätzlich der Komplex 9K714 OKA (OTR-23) unterlagen einst strengster Geheimhaltung. Für den Raketenkomplex 9K714 OKA konnte die Tarnung bis 1990 aufrechterhalten werden.
D. Küpping und J. Wienke führten uns äußerst sachkundig durch die Ausstellung mit den Raketentriebwerken, Gefechtsköpfen, Transport- und Ladefahrzeugen sowie Modellen zu den einzelnen Raketensystemen. An Hand der Exponate wurde die Entwicklung in der Raketentechnik aufgezeigt.
Größtes Ausstellungsstück ist das Transport- und Ladefahrzeug 9T230 des Raketenkomplexes 9K714, eine Leihgabe des Militärhistorischen Museums Dresden. Es beeindruckten nicht nur seine Ausmaße, sondern auch seine technischen Parameter und Funktionsweise. Diese Technik wurde vor ca. 50 Jahren entwickelt!
In den Ausführungen zur Geschichte der Raketenbrigade wurde die ständig hohe Gefechtsbereitschaft und das hohe Niveau der Ausbildung in allen Dienststellungen der Brigade gewürdigt. Diese komplexen Waffensysteme waren nur durch einen gut ausgebildeten und motivierten Bestand an Soldaten, Unteroffizieren, Fähnrichen und Offizieren einzusetzen. Zeugnis der erreichten Ergebnisse in der Gefechtsausbildung wurde in Steppe östlich der Wolga, zwischen Wolgograd und Astrachan, im Rahmen der taktischen Übungen mit Gefechtsschießen abgelegt. Anders als bei den taktischen Raketenkomplexen waren Starts auf dem Territorium der DDR nicht möglich.
Die kleine Gruppe ermöglichte viele Fragen, die sachkundig beantwortet wurden. So haben wir viel über unsere Waffengattung, von der wir nur den Teil kannten, den wir zur Erfüllung unserer Aufgaben benötigten, erfahren. Unsere Standorte waren 30 km voneinander entfernt und doch haben wir keine gemeinsame Übung gefahren oder uns auf dem Schießplatz getroffen.
Zum Abschluss besuchten wir die Ausstellungsräume mit einer feinen Sammlung von Erinnerungsstücken an unsere Dienstzeit. Im „Traditionskabinett“ sind Exponate zur ehemaligen sowjetischen Partnerbrigade ebenso zu finden, wie eine Vitrine für den ehemaligen Brigadekommandeur Generalmajor Roland Großer (1936 – 2016). Als Chef Raketentruppen/Artillerie des Militärbezirkes V und ab 1988 der Landstreitkräfte, war er auch unser Chef.
Nach der gut zweistündigen Veranstaltung verlegten wir in den rückwärtigen Raum. Im „Haus Seeblick“ stärkten wir uns bei guter mecklenburgischer Hausmannskost.
Neben der Stärkung wurden zwanglos Gedanken ausgetauscht und in der Geschichte gekramt.
Vielen Dank an unsere „Fremdenführer“ und an den Organisator der Veranstaltung OSL a.D. Bodo Schwarzer.
Reinhard Parchmann,
Major a.D.