03.09.2026
Auch nach 70 Jahren unvergessen:
Der Mord am Grenzpolizisten Waldemar Estel
| Buttlar/ Rhön. Am Nachmittag des 3. September 1956 wurde der Grenzpolizist Waldemar Estel im Dienst an der Staatsgrenze West der DDR ermordet. An das Verbrechen erinnert seit vielen Jahrzehnten auch ein Gedenkstein, der damals in unmittelbarer Nähe zum Tatort errichtet wurde und heute an der Bundesstraße 84 liegt. |
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Was geschah an jenem Montag in diesem Grenzabschnitt, der weder durch einen Drahtzaun noch durch ein anderes Hindernis gesichert war?
Eine männliche Person überschritt aus Richtung Westen kommend vorsätzlich die markierte Grenze. Daher wurde er vom Gefreiten Waldemar Estel zur Klärung dieses illegalen Grenzübertritts auf dem Territorium der DDR vorläufig festgenommen und abgeführt. Auf dem Weg zum Grenzkommando in Buttlar, das mit vereinbarten Signalschüssen über die Festnahme unterrichtet wurde, fiel der unbekannte Grenzverletzer den Grenzpolizisten Waldemar Estel an. Er stieß ihn mit dem Knie in den Unterleib und streckte ihn mit vier Pistolenschüssen nieder. Der Gefreite Waldemar Estel hatte sich nach den tödlichen Schüssen noch in das angrenzende Feldgehölz geschleppt und war an Ort und Stelle verstorben.
Vor wenigen Jahren, am 13. Mai 2023, berichtete Horst O. aus Erfurt am Gedenkstein über die nachfolgenden Stunden jenes Geschehens vor 70 Jahren.
Nach dem Abschluss aller Untersuchungen am Tatort gehörte er zum Bergungstrupp des Leichnams. Gegen Mitternacht fand im Kommando ein Appell statt. Der Politstellvertreter der Grenzbereitschaft Dermbach sprach zu den angetretenen Grenzpolizisten, die ausschließlich freiwillig in der Deutschen Grenzpolizei dienten. Seit dem Nachmittag sowie am Folgetag war der Grenzdienst für das Kommando in Buttlar ausgesetzt. Horst O. verrichtete im Jahr 1956 ebenfalls seinen Grenzdienst im Kommando Buttlar in der Thüringischen Rhön und war mit dem Ermordeten bekannt. Und der Mörder? Er war ein spanischer Offizier und diente in der Armee des faschistischen Diktators Franco. Der war ein treuer Verbündeter Hitlerdeutschlands im II. Weltkrieg gewesen. Der Mörder selbst hatte in Spanien eine Spezialausbildung bei den Fallschirmjägern erhalten, ebenso sein Kumpan, der nach der Mordtat mit dem Fluchtauto auf dem Staatsgebiet der BRD abfahrbereit wartete. Gemeinsam mit einem Dritten passierten sie noch am Abend die BRD-Kontrollen an der französischen Grenze. In Spanien lebte der Todesschütze unbehelligt bis zu seinem natürlichen Tod im Jahre 2016. Obwohl die Hintergründe für diese bewaffnete Grenzverletzung durch den namentlich bekannten spanischen Offizier nicht aufgeklärte werden konnten: Der spätere Oberst Lasta Rueda, im Nahkampf sehr gut ausgebildet, wurde in einer international sehr angespannten Situation zum Mörder des Grenzpolizisten Waldemar Estel. Seine mitgeführte, geladene und mehrfach genutzte Handfeuerwaffe bleibt ein starkes Indiz gegen eine Zufälligkeit.
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Auch in dieser Woche werden sich Mitglieder der Kameradschaft Grenzregiment-3 Dermbach "Florian Geyer" e.V. am Gedenkstein in der Gemarkung Buttlar versammeln und an das ungesühnte Verbrechen an Waldemar Estel erinnern. In seinem Geburtsort Heiligenfelde in der Altmark erinnert seit dem Jahre 1957 die Waldemar-Estel-Straße an den Ermordeten. |
Rainer Döhrer