13.05.2026

So erlebten wir den Tag der Begegnung in Torgau 2026

 

Mehrere Genossen unserer Regionalgruppe „Ernst Thälmann“ Bautzen/Oberlausitz aus dem Verband zur Pflege der Traditionen der Nationalen Volksarmee und der Grenztruppen der DDR waren am 25. April 2026 dem gemeinsamen Aufruf der DKP und vielen weiteren Verbänden und Organisationen zur Friedensdemonstration anlässlich der 81. Wiederkehr des Tages der Begegnung an der Elbe nach Torgau gefolgt. Das Bündnis stellte hochaktuelle Forderungen in ihrem Aufruf voran: Kampf gegen Hochrüstung und Militarisierung; Frieden und Freundschaft mit Russland und China; statt „Kriegstüchtigkeit“ Mittel für Bildung, Soziales und Gesundheit; raus aus der NATO und keine US-Mittelstreckenraketen in Deutschland. Diesen Forderungen wollten und haben wir unsere Zustimmung gegeben. Verbunden wurde unser Besuch mit der Teilnahme an den Feierlichkeiten der Stadt Torgau zum Tag der Begegnung.


Höhepunkt war für uns der zur Mittagsstunde am „Brückenkopf“ beginnende, über die Elbbrücke und durch das Stadtzentrum führende sowie am Festgelände auf der „Elbstraße“ endende Friedensmarsch. Rund 600 Friedensbewegte – darunter wir gemeinsam mit Genossen aus den Regionalgruppen Leipzig und Berlin – erinnerten mit ihrem Marsch an den historischen Moment des Handschlages sowjetischer und amerikanischer Soldaten im Jahr 1945 und die daraus für heute zu ziehenden Lehren. „Die Menschen in Deutschland brauchen Frieden und Freundschaft mit Russland und China“ sowie „Raus aus der Nato“ waren wichtige Themen zum Auftakt der Demonstration. 
 

Am Ernst-Thälmann-Denkmal in der Innenstadt erfolgte ein Halt für eine Kurzkundgebung, wo der Sprecher des Ältestenrates unseres Verbandes, Genosse Oberst a.D. Friedemann Munkelt, das Wort ergriff. Er betonte, dass gemeinsam mit den Ländern des Warschauer Vertrages über Jahre Frieden in Europa gesichert wurde, aber es dauerte nach der sogenannten Wende keine 10 Jahre und Deutschland war wieder in Kriege verwickelt – und die derzeitige Politik verspricht nichts Besseres. Aus eigenem Erleben könne er mit guten Gewissen sagen, die Sowjetunion und Russland waren und sind niemals ein Feind Deutschlands gewesen, noch haben sie Deutschland jemals angegriffen. 

Im Blick auf die Kriegshandlungen im Nahen Osten verweist er auf mögliche Folgen für nicht unmittelbar beteiligte Staaten. Die ungebremste ideologische und materielle Aufrüstung, wie u.a. der Plan zur Stationierung von Mittelstreckenraketen, stelle auch für Deutschland große Gefahren dar. Er rief auf zur Mobilisierung aller Friedenskräfte und schloss mit dem Gedanken: Wer nicht kämpft, hat schon verloren. Mehrmalige „Bravo“ – und „Richtig“ – Rufe sowie kräftiger Beifall zeugten von der Wirksamkeit seiner Gedanken.

Die Hauptkundgebung folgte anschließend auf dem Marktplatz der Stadt Torgau. Mehrere Sprecher brachten, teilweise mit künstlerischer Umrahmung, ihre Friedensgedanken an die Demonstranten. Der Friedensmarsch endete am Denkmal der Begegnung an der Elbe inmitten des – in diesem Jahr etwas kleinerem – Volksfestes unter dem Motto „Torgau für den Frieden“. Neben kulturellen Darbietungen und Überraschungen für die Kinder (und auch für die „Großen“) kamen von kleinen Bühnen durch Sprecher verschiedener Initiativen kluge Gedanken zum Frieden sowie Verständigung und Freundschaft mit Russland. „Einmal im Jahr an den Handschlag an der Elbe zu erinnern, sei richtig, reiche aber nicht aus. Das werde diejenigen, die uns kriegstüchtig machen wollen, die uns ausnehmen wollen für ihre Hochrüstungspolitik, nicht stoppen“. Mit diesem Appell des Organisators wurde eine großartige Demonstration für den Frieden beendet (siehe UZ vom 01.Mai 2026, Seite 5).


Bereits am Vormittag nahm unsere Gruppe an den offiziellen Gedenkfeierlichkeiten am Denkmal der Begegnung teil, wo wir auch unser Blumengebinde niederlegten. Vor einer – gegenüber der Friedensdemonstration eher überschaubaren – Teilnehmerzahl würdigten die Redner den gemeinsamen Handschlag von 1945 und den Schwur für Frieden und Völkerverständigung. Es wurde deren gedacht, die nicht das Glück hatten, diesen Tag noch zu erleben. Über drei Millionen sowjetische Kriegsgefangene gingen an den unmenschlichen Bedingungen in den deutschen Kriegsgefangenenlagern zugrunde – sie verhungerten, starben elendig an der Zwangsarbeit oder wurden ermordet.  
 

Auch an US-Soldaten begingen die Faschisten gezielt Verbrechen – sie wurden in Konzentrationslagern ermordet oder gleich bei der Gefangennahme von der SS erschossen. Diese Aufzählung mache deutlich, dass der Sieg über Nazideutschland keine Niederlage, sondern die Befreiung von der Gewaltherrschaft der Nationalsozialisten (gemeint ist sicher der Faschismus) war. Erinnern heißt immer auch eine Position in Gegenwart und Zukunft zu beziehen. Sonst wird es ein hohles Gedenken – ein Ritual. In diesem Sinne äußerte sich eine Rednerin gegenüber dem MDR in einem anschließenden Interview. – Alles richtig ! Aber leider war in der Rede dieser Aspekt der derzeitigen offiziellen deutschen Lesart unterworfen oder unliebsame Probleme wurden erst gar nicht angetastet.

Es ist wenig hilfreich:

– die Kriege gegen die Ukraine und den Iran zwar zu verurteilen, aber gleichzeitig nur davon zu sprechen, dass immer mehr autokratische Machthaber sich verständigen und sich die Welt aufteilen, als wären sie die einzigen Schuldigen. Das kapitalistische Sytem wird aber nicht infrage gestellt. Zwei dieser sogenannten Autokraten werden namentlich genannt; ein weiterer, der gegenwärtig eine nicht gerade rühmliche Rolle spielt, blieb – sicher aus Gründen der Staatsräson – außen vor.

– einseitig nur über die unterschiedlichen Vorstellungen des Umgangs mit dem „Aggressor Putin und seinen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen die Ukraine“ zu sinnieren und nicht nach Geschichte und Ursachen des Konflikts zu fragen. Eine realistische Wertung des Umgangs mit der anderen Seite des Konflikts steht offenbar nicht zur Debatte.

– den Handschlag von Anchorage im Jahr 2025, der nach einer Zeit der Kühle wieder Anfänge einer Verständigung – wenn auch nicht mit erhofften großen Erfolg – zeigte, als ein Beifallsklatschen Trumps zur Begrüßung Putins auf den roten Teppich herabzuwürdigen.

– zur derzeitige deutsche Politik der ungezügelten Aufrüstung, der Kriegshysterie und des Russenhasses nicht ein einziges Wort zu sagen.

Der Elbe-Tag warf auch einen bezeichneten Blick auf den Charakter der deutschen Informationspolitik. Auf der Website des MDR Sachsen erschien am 25. April abends eine kurze – nicht gerade viel aussagende – Information zum Elbe-Day. Aber u.a. hieß es wörtlich: „Obwohl nicht zur offiziellen Gedenkfeier eingeladen, besuchte nach Informationen von MDR SACHSEN erneut der russische Botschafter, Sergej Netschajew, in Deutschland gemeinsam mit dem Geschäftsträger der Republik Belarus den Gedenkort“. (Hervorhebungen vom Verfasser des vorliegenden Artikels). Annähernd gleicher Text wurde 19.00 Uhr im „Sachsenspiegel“ (Regionalfernsehprogramm des MDR für Sachsen) in einem Kurzbericht zum Elbe-Day gesendet (fairerweise sei gesagt, dass durch die Moderatorin der Begriff „erneut“ nicht verwendet wurde).
Die Art und Weise der Formulierungen ist für uns ein typisches Beispiel der Manipulation; besonders hinsichtlich des Schürens des Russenhasses.

Die Wahrheiten und Fragen aber sind:

(1) Der Botschafter erschien erst nach Abschluss der offiziellen Gedenkfeier.
(2) Wer spricht dem Botschafter das Recht ab, den Kämpfern seiner Heimat die Ehre zu erweisen ? Alle Bürger waren eingeladen. Die Stadt Torgau warb mit „Herzlich Willkommen“ in den Medien und auf Flyern.
(3) Der Botschafter war auch 2025 in Torgau. Warum der vorwurfvolle Ausdruck „erneut“? Ist er etwa ein „Wiederholungstäter“? Für uns schlimmste Diffamierung!
(4) Dem Botschafter wurde jedoch ein herzliches Willkommen entgegengebracht:
Begrüßung traditionell mit Brot und Salz, gemeinsamer Mehrhändeschlag, Lachen und und freundliche Unterhaltung. Ein Teil unserer Gruppe hat es selbst miterlebt – und in Videos mehrerer digitaler Medien ist es auch für jeden sichtbar.

Nicht unerwähnt muss bleiben, dass die großartige Demonstration für Frieden, Abrüstung und Freundschaft in den uns zugänglichen sogenannten Leitmedien keinerlei Erwähnung erfuhr. Für uns war die Teilnahme ein gelungenes Erlebnis und wir meinen, damit auch einen kleinen Beitrag für Frieden und Verständigung geleistet zu haben.

Oberstleutnant a.D. Erhard Heinze

Bildnachweis: Hans-Joachim Schuster (4)

 

 

 

 

 

 

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