20.11.2025
Ehrung gefallener Rotarmisten und Opfer des Faschismus mit polnischen Freunden
Auf Einladung unserer polnischen Freunde des Verbandes der Erben der polnischen Kombattanten im II. Weltkrieg und der Schützenvereinigung „Strzelec“ der Republik Polen (Związek Strzelecki ,,Strzelec" Rzeczypospolitej Polskiej) besuchten wir am 15.11.25 Sowjetische Kriegsgräberstätten und Mahnmale in der Wojewodschaft Lubuskie.
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Die erste Station unserer Reise war Cybinka/ Ziebingen. Zunächst ehrten wir die ca. 11.000 gefallenen Angehörigen der 33. Armee der Roten Armee auf einem der größten Militärfriedhöfe in Polen, der schon vor Kriegsende angelegt worden war. Über Tausend bei den Kämpfen um Küstrin gefallene Rotarmisten sind 1945 in Massengräbern vor Ort beigesetzt worden. 1953 wurden sie nach Auflösung des Küstriner Friedhofs hierher umgebettet. Dort findet sich auch das Grab eines polnischen Kämpfers, der als Angehöriger der Roten Armee fiel. Rechts und links des Eingangs befinden sich zwei Pavillons mit Gedenktafel und Kanonen In der Mitte des Geländes steht ein Obelisk mit dem Flachrelief einer einen Lorbeerzweig haltenden Frau. An dieser Stelle gedachten wir der Gefallenen mit dem Niederlegen eines Gebindes mit Ehrenschleife und dem Entzünden von Kerzen.
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Auf dem am 09.12.1945 eingeweihten und zum Teil auf dem Gelände des Schloßparks in Cybinka gelegenen Friedhof für Offiziere der Roten Armee wurden zunächst 566 bei den Oderkämpfen Gefallene beigesetzt. Später kamen Gräber aus Umbettungen hinzu, die sich hinter dem Monument befinden. Der Friedhof ist reich mit Reliefs ausgestattet, die an den begrenzenden Mauern angebracht wurden und auf denen die einzelnen Waffengattungen der Roten Armee, die Siegesparade in Moskau und die Heimkehr eines Soldaten dargestellt sind. Der Friedhof ist im Denkmalregister des Nationalen Denkmalamtes eingetragen. Bekrönt ist die Nekropole mit einer auf einem Podest stehenden Figur eines sowjetischen Offiziers, der auf einem toten Reichsadler und einer faschistischen Standarte steht. Hier legten wir ebenfalls ein Gebinde mit den Ehrenschleifen unseres Verbandes nieder.
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An einer gegenüberliegenden Gedenkstätte gedachten wir der polnischen Patrioten, die im Kampf gegen den Faschismus gefallen waren.
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Anschließend führte unsere Reise zum Sowjetischen Ehrenmal in Rzepin/ Reppen, das mit Mitteln der Stadt frisch renoviert worden war. Es befindet sich im Zentrum der der Stadt und ist recht klein. Hier fanden 312 Gefallen ihre letzte Ruhe. Auch hier ehrten wir die Gefallenen mit dem Niederlegen eines Gebindes und dem Anzünden von Kerzen am an zentraler Stelle befindlichen Obelisk. Dieser Obelisk trägt in Polnisch und Russisch die Inschrift: „Zum Gedenken an die auf diesem Friedhof begrabenen Soldaten der Sowjetarmee, die 1945 im Kampf gegen die Deutschen gefallen sind“. Flankiert wird er von zwei PAK.
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Die letzte Station war das Martyriumsmuseum in Słońsk / Sonnenburg. Es wurde von der Gemeinde bereits 1974 auf dem ehemaligen Gelände des Zuchthauses eingeweiht. Das Museumsgebäude hat die Form des polnischen Militärordens „Virtuti Militri“. An den Außenwänden befinden sich zahlreiche Gedenktafeln antifaschistischer Organisationen. 2014 wurde die Gedenkstätte mit Unterstützung der VVN-BdA unter Hans Coppi in deutsch-polnischer Zusammenarbeit und mit EU-Mitteln gefördert neugestaltet.
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Zum 80. Jahrestag der Befreiung 2025 wurde sie Teil des Netzwerkes „Erinnerung verbindet Oder-Warthe“. Erinnert wird an politisch Verfolgte, die hier schon im 19. Jhdt. im Zuchthaus saßen, deutsche Antifaschisten, die in das durch die Faschisten errichtete frühe KZ der Berliner Polizei verschleppt und hier gequält wurden, sowie die ca. 800 Opfer des Kriegsendverbrechens im Arbeits- und Erziehungslager (AEL) der Gestapo in Sonnenburg vom 30./31. 01.1945. Nachdem die Rote Armee Sonnenburg erreicht hatte und die Opfer am Ort des Verbrechens sah, wurden sofort Maßnahmen ergriffen, Beweise zu sichern. Dabei halfen auch die vier Überlebende des Massakers der Gestapo FF/O. Die Gestapo-Angehörigen trugen bei der Tat SS-Uniformen, handelten jedoch auf Befehl staatlicher Stellen.
Die Opfer, die Tat und die Täter dieses faschistischen Kriegsverbrechens werden beschrieben und benannt. Leider widerfuhr den Opfern nicht die Gerechtigkeit, die ihnen zugestanden hätte, da nur wenige Täter zur Rechenschaft gezogen worden sind. 2014 eröffnete die Republik Polen deshalb ein neues Verfahren zur Sühne der Tat.
Zunächst legten wir am in Form eines Kreuzes neugestalteten Denkmal Blumen nieder und wurden anschließend durch die Ausstellung geführt. Das dort Gezeigte erschütterte uns zu tiefst. (Ein gesonderter Beitrag zu Słońsk wird noch folgen.)
Unsere Regionalgruppe nahm eine Eintragung im Gästebuch der Gedenkstätte vor.
Der Besuch in dieser Gedenkstätte erinnerte uns an den leider immer noch aktuellen Buchenwaldschwur: „Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg!“, dem wir uns natürlich immer noch verpflichtet fühlen.
Wir danken unseren polnischen Freunden Wiesław, Marek und ihren Begleiterinnen für die Einladung und Gestaltung dieses denkwürdigen Tages, den wir als Abschluss unserer Aktion 80 Gedenkstätten zum 80. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus betrachten.
Torsten Postrach,
Oberleutnant a.D.
Quelle: www.pamiec1945.pl