20.04.2026
Teilnahme an der Ehrung der gefallenen Soldaten der 1. Armee der polnischen Volksarmee
Am 18.04.2026 nahmen wir, Mitglieder der Regionalgruppe Berlin unseres Verbandes, auf Einladung unserer polnischen Freunde Marek vom polnischen Schützenverband „Strzelec“ und Wieslaw vom Verband der Erben der Polnischen Kombattanten des II. Weltkrieges an den alljährlichen Feierlichkeiten aus Anlaß der Oderforcierung durch die 1. Polnische Armee der Polnischen Volksarmee am 16.04.1945 in der Landgemeinde Mieszkowice/Bärwalde, Kreis Gryfinski/Greifenhagener Distrikt in der Wojewodschaft Westpommern teil.
Nach der faschistischen Okkupation Polens 1939 bildeten sich mehrere Untergrundarmeen: die Armia Krajowa-die Heimatarmee, gesteuert durch die polnische Exilregierung, die Bataliony Chłopskie-die Bauernbataillone und die durch Kommunisten aufgebaute Gwardia Ludowa-die Volksgarde Die Bauernbataillone und die Gwardia Ludowa wurden später zur Armia Ludowa verschmolzen.
Die Ludowe Wojsko Polskie-Polnische Volksarmee-entstand aus dem Zusammenschluß der in der UdSSR aufgestellten Polnischen Streitkräfte in der Sowjetunion und der Partisanenarmee Armia Ludowa am 21.07.1944 durch das Lubliner Komitee.
Die 1. Armee war im März 1944 in der Sowjetunion aus ehemals in der Sowjetunion internierten polnischen und sowjetischen Militärangehörigen gebildet und durch die Sowjetunion ausgerüstet worden. Sie unterstand bei den Kämpfen 1945 dem polnischen Generalleutnant Stanisław Popławski. Ihre Aufgabe während der Berliner Operation war die Sicherung der Nordflanke der 1. Belorussischen Front. Teil dieser Armee war die 1. Tadeusz-Kościuszko-Infanteriedivision, die Keimzelle der Polnischen Volksarmee. 1941 war auf Wunsch der Westallierten in der Sowjetunion eine polnische Armee aufgestellt und ausgerüstet worden. Unter General Anders wurde 1942 der Hauptteil seiner Angehörigen, die späteren polnischen Streitkräfte im Westen, in den Iran verlegt. Aus den polnischen Militärangehörigen, die General Anders nicht folgten, bildete der zum General ernannte Zygmunt Berling die 1. Tadeusz-Kościuszko-Infanteriedivision.
Benannt wurde sie nach dem US-amerikanischen und polnischen Nationalhelden, Tadeusz Kościuszko (1746-1817). Kościuszko in Polen zurück wurde vom letzten polnischen König St. A. Poniatowski nach dem Eintritt in die königliche Armee 1789 zum Generalmajor ernannt. 1794 in Krakau zum „Diktator“ nach römischem Recht vereidigt, führte als General den nach ihm benannten Aufstand gegen die Besatzungsmächte an. Nach der Niederlage 1794 war er für mehrere Jahre in russischer Gefangenschaft. Anschließend ging er ins Exil, wo er später auch in der Schweiz starb. Als Folge der Niederlage erfolgte letzte, die 3. endgültige Teilung Plens 1795. Damit endete die Existenz des polnischen Staates für mehr als 100 Jahre. Im Exil lehnte er ein Angebot Napoleons ab, in den Reihen polnischer Streitkräfte zu kämpfen, da Napoleon nicht an der Wiederherstellung Polens in seinen alten Grenzen interessiert war. Davor kämpfte Kościuszko im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg auf der Seite der USA. Er, zunächst Oberst in den Pionierkorps der Kontinentalarmee und später Generalingenieur der Südarmee, erbaute neben anderen Forts und befestigten Militärcamps 1778-1780 die Festung West Point am Hudson River. Dort steht wie an anderen Stellen der USA ein Tadeusz-Kościuszko-Denkmal. 1777 hatte er an der Seite Washington an den Schlachten von Ticonderoga und Saratoga teilgenommen. Als Dank erhielt Kościuszko den Rang eines US-Brigadegenerals und die US-Staatsbürgerschaft. Er vertrat die Ideale der Aufklärung und stellte sich gegen die Sklaverei.
Die Feuertaufe hatte die 1. Tadeusz- am 12 und 13.10.1943 in der sehr opferreichen Schlacht bei Lenino. Das Datum des Beginns der Schlacht wurde zwischen 1950 und 1992 als Jahrestag der Polnischen Volksarmee begangen. Ab dem 30. April nahm die Kościuszko-Division an der Befreiung Berlins teil und kämpfte in der Mitte Berlins entlang der Charlottenburger Chaussee, heutige Straße des 17. Juni, in Richtung Reichstag. Am 2. Mai hissten Soldaten der Division die polnische Flagge auf der Siegessäule. Die polnische Flagge wehte nach dem Zusammentreffen mit den Sowjetischen Waffenbrüdern an diesem 2. Mai 1945 auch auf dem Brandenburger Tor. 2020 wurde initiiert durch die BVV Charlottenburg-Wilmersdorf, die TU und VVN-BdA in der Nähe des Ernst-Reuter-Platzes an der TU eine Gedenktafel zur Ehrung des Kampfes der 1. Armee und ihrer 1. Division eingeweiht. Letztendlich haben also auch polnische Soldaten an der Seite ihrer sowjetischen Waffenbrüder unser Volk vom Faschismus befreit und den faschistischen Aggressor in seiner Höhle besiegt. Das wissend, hatte die DDR in Friedrichshain den Polnischen Soldaten und deutschen Antifaschisten schon 1972 ein Denkmal gesetzt.
Um 10:30 Uhr nahmen wir am militärischen Appell des 5. Pionieregiments zu Ehren der gefallenen Pioniere teil und legten am Sappeurdenkmal in Gozdowice ein Blumengebinde nieder. Während Berliner Operation befand sich hier eine wichtige Übersetzstelle in der Offensivzone zwischen Gütebise und Lützegörike. Die Übersetzstellen über die Oder wurden immer wieder massiv von der deutschen Artillerie und Luftwaffe angegriffen, so daß die Pioniertruppen große Verluste erlitten. Trotzdem garantierten sie das Übersetzen der 1. Armee. Das dem Opfermut der Pioniere gewidmete Denkmal war bereits 1952 eingeweiht und 1972 restauriert worden. Es ist dem Teil einer Pontonbrücke nachempfunden. In der Mitte befindet sich eine Säule mit der Inschrift „Ruhm den gefallenen Pionieren. 16. April 1945“. Davor steht ein Soldat mit Maschinenpistole und Rettungsring auf einem Sockel mit dem Emblem der Pioniertruppen.
Anschließend hatten unsere polnischen Freunde ein Besuch des Museums für die Pioniertruppen der 1. Armee und des Kommandopunktes der 1. Armee im Ort organisiert. Im Museumsbereich wurden wir freundlich begrüßt und hatten eine kleine Führung in deutscher Sprache. Ausgestellt sind Originaldokumente, Modelle von Brückenübergängen, Waffen und Ausrüstungsgegenstände der Pioniertruppen die bei den Kämpfen zum Einsatz kamen. Ergänzt wird die Ausstellung durch archäologische Fundstücke. Zum Schluß trugen wir uns ins Gästebuch des Museums ein. In der Nähe der Steinernen Mauer des Ruhms besichtigten wir den rekonstruierten Beobachtungsposten des 2. Artillerieregiments mit einer schönen Aussicht auf das Odertal. Anschließend ging es weiter nach Stare Łysogórki zum großen Soldatenfriedhof.
Die Oderüberquerung durch die 1. Armee, die gleichzeitig mit Schlacht um die Seelower Höhen begann, war sehr opferreich. Auf dem bereits 1945 eingeweihten Militärfriedhof wurden etwa 2.000 Soldaten unter Betonkreuze im Stil des Grundwaldordens bestattet. Mitte der 50er Jahre wurde die zunächst errichtete hölzerne Kapelle abgetragen und die Betonkreuze im Stil des Grundwaldordens aufgestellt. Das alles überragende Denkmal wurde 1961 eingeweiht. Es zeigt eine Frau mit Kind, die die Rückkehr der wiedergewonnenen Gebiete zu Polen symbolisiert. Sie steht an einem aus behauenen Feldsteinen errichteten Obelisken mit zwei schwebenden Grunwald-Schwertern und schwebenden Segeln aus Beton.
Die Schlacht bei Grunwald im Kontext des Grunwald-Kreuzes:
Vorgeschichte: Der Herzog Konrad von Masowien hatte den Deutschen Orden 1226 zur Hilfe im christlichen Kampf gegen den heidnischen baltischen Stamm der Pruzzen gerufen. Dieser folgte dem Wunsch nur zu gern, da er gerade aus Ungarn hinausgeworfen worden war und das Burzenland für seine Staatsgründungaktivitäten verloren hatte. Für seine Kampf gegen die Pruzzen erhielt er von Konrad das Kulmer Land. Der Orden startete nun ein durch den Staufer-Kaiser Friedrich II. in der Goldenen Bulle von Rimini 1226 sanktioniertes Expansionsprogramm, in dem das Kulmer Land als Besitz des Ordens bestätigt und weitere Eroberungen im Prußenland gestattet wurden. Der Orden errichtete allmählich seinen Staat und trieb den Landesausbau durch das Bauen von Burgen, Städte- und Dorfgründungen sowie das Herbeischaffen von Siedlern voran. Er setzte seine Ostexpansion zum Erwerb neuer Gebiete fort, indem er begann, die Staaten der Nachbarn Litauen und Polen kriegerisch zu bedrängen. Man hatte also den gleichen Feind. Mit der Union von Krewno 1385 begann die litauisch-polnischen Union. Der litauische Großfürst Jogaila wurde 1386 getauft und zum polnischen König Władisław II. Jagiełło gekrönt und heiratete die letzte Piastin Jadwiga. In der Folge entsteht 1569 der größte Feudalstaat Europas, Polen-Litauen, die Rzeczpospolita. Kriegerischen Auseinandersetzungen und darauffolgende friedliche Abschnitte bestimmten in der Regel das Verhältnis des Ordens mit seinen Nachbarn. 1409 spitzte sich die Lage durch den Einfall des Ordens in Polen weiter zu.
Die Schlacht:
Durch den Hochmeister des Deutschen Ordens, Ulrich von Jungingen waren zwei einfache Schwerter verhöhnend an die Führer des polnisch-litauischen Heeres, den polnischen König Władisław II. Jagiełło und den litauischen Großfürsten Vytautas als Aufforderung zum Kampf übersandt worden. Nach ihrem vernichtenden Sieg über das Heer des Deutschen Ordens, bei dem von Jungingen und weitere 200 Ritter fielen, kamen sie als Kriegsbeute in die königliche Schatzkammer auf dem Wawel. Später wurden sie zu Insignien des Königreichs Polen und des Großfürstentums Litauen. Sie wurden bei Krönungen auch beim letzten polnischen König Stanisław August Poniatowski verwandt und sind noch heute nationales Symbol. Nach der Schlacht kam es 1411 zum Thorner Frieden, mit dem der Niedergang des Ordensstaates eingeleitet wurde. 1525 wurde dieser durch den letzten Hochmeister des Ordens, Albrecht, ein Hohenzoller der fränkischen Linie von Brandenburg-Ansbacher, nach seinem Übertritt zum Protestantismus auf Anraten Luthers säkularisiert. Albrechts Mutter war eine polnische Königstochter gewesen. Er huldigte als Preußischer Herzog Albrecht I. und Vasall dem polnischen König Zygmunt I. Stary, einem Jagiellonen. Der Deutsche Orden verließ im gleichen Jahr Preußen und ging nach Mergentheim in Württemberg. Fazit: Der Jahrhunderte dauernde Kampf gegen den Deutschen Orden mit dem Fanal des Sieges in der Schlacht bei Grunwald 1410 mit dem daraus resultierenden Stopp der deutschen Ostexpansion hat sich als Fanal im Kampf um Freiheit und Unabhängigkeit tief in das Bewußtsein der Polnischen Nation eingebrannt. In Polen gibt es in den Städten und Gemeinden eine Vielzahl von Straßen, Plätzen und Brücken, die daran erinnern. Der Kampf um Berlin wurde von vielen Polen als zweites Grunwald angesehen.
Neben 44 Haupttafeln wurden für weitere 1.000 bei den Kämpfen vermißte Militärangehörige zwei Einführungstafeln aufgestellt. Die 1. Polnische Armee war am 14.09.1945 für die Tapferkeit seiner Angehörigen beim Kampf um den Sieg gegen Hitlerdeutschland mit dem Orden des Grunwald-Kreuzes Erster Klasse ausgezeichnet worden.
Der Orden des Grunwald-Kreuzes war am 08.11. 1943 durch eine die Volksarmee (Armia Ludowa) und am 22.12.1944 erneut durch das Lubliner Komitee in Erinnerung an den Kampf Polens gegen den Deutschen Orden gestiftete militärische Auszeichnung für Tapferkeit und Verdienste in den Streitkräften der Volksrepublik Polen in drei Klassen.
Unser Freund Wiesław zeigte uns das Grab des Bruders vom späteren Armeegeneral, Staatsratsvorsitzenden und Staatspräsidenten der VR Polen Wojciech Jaruzelski, der bei den Kämpfen gefallen war. W. Jaruzelski nahm selbst als junger Offizier an den Kämpfen um Berlin teil. Vor dem Friedhof befindet sich ein Lapidarium auf dem mit Grabkreuzen ein liegendes Kreuz nachgebildet wurde. Daneben wurde aus Steinen eine Europakarte nachgebildet auf der mit Grabkreuzen die Gebiete, z.B. Narvik und Monte Cassino bei denen Polen in der Regel in den Reihen der Britischen Streitkräfte im II. Weltkrieg gekämpft haben und gefallen sind, gekennzeichnet wurden. Weiterhin befindet sich in der Nähe ein Panzerdenkmal zur Erinnerung an die Oderkämpfe. Der Panzer IS-2 gehörte zum Bestand des 4. Unabhängigen Panzerregiments.
Auf der Nekropole wurde 14:00 Uhr ein großes militärisches Zeremoniell mit geladenen Gästen der Öffentlichkeit, Vertretern von Veteranen- und Jugendverbänden durchgeführt. Es begann mit dem Intonieren und Singen der polnischen Nationalhymne und Salutschießen durch den angetretenen Ehrenzug. Als nächstes folgte der „Ewigen Appell“ (Apel Pamięci), der ein fester Bestandteil bedeutender militärischen Feierlichkeiten in Polen ist. Bei der feierlichen Anrufung der für die Freiheit Polens Gefallenen durch den Offizier des Ehrenzuges antwortet der Ehrenzug mit „Stańcie do apelu“ (Zum Appell angetreten), darauf folgt ein Tremolo-Signal auf der Trommel.
Die Tradition dieses Ewigen Appells geht auf die Zeit der bürgerlichen polnischen Armee in der II. Republik zwischen 1920 und 1947 zurück. Im Zusammenhang mit der Wiedereinführung des Tages der polnischen Armee 1992 zu Maria Himmelfahrt am 15.08. wurde der Appell in modernisierter Form Teil der militärischen Traditionen der Polnischen Armee. Die Armee des wiederentstandenen Polens überfiel 1919 Sowjetrussland. Im Rahmen des daraus resultierenden polnisch-sowjetischen Krieges der bis 1921 dauerte, hatte ein polnisches Heer unter dem Befehl dem Wiedererrichter des polnischen Staates, J. Piłsudski, ein sowjetrussisches Heer unter M. Tuchatschewski, das die polnische Armee zunächst nach Polen zurückdrängte, am 15.08.1920 vor Warschau geschlagen. Als „Wunder an der Weichsel“ ist diese Schlacht in die Geschichte eingegangen. Der Krieg endete 1921 mit dem Raubfrieden von Riga zum Nachteil Sowjetrusslands, das große Gebiete Belorußlands und der Ukraine an Polen abtreten mußte.
Anschließend wurden mehrere Ansprachen gehalten. Hier wurde aber immer nur von der 1. Armee der Polnischen Streitkräfte gesprochen, als hätte es die Volksarmee und die Volksrepublik Polen (PRL) nie gegeben. Offensichtlich waren auch keine Vertreter der ehemaligen Waffenbrüder aus Rußland geladen. Ganz im Sinne der Politik von EU und NATO, deren Mitglied Polen ist. Polen will seine Streitkräfte zu den stärksten in Europa ausbauen und steht in Feindschaft zu Rußland!!!
Auch hier ehrten die Gefallenen durch das Niederlegen eines Gebindes mit Ehrenschleife und durch das Absenken unserer mitgeführten Truppenfahne. Als Ehrende wurden wir wie auch in Gozdowice öffentlich ausgerufen.
Am Friedhof war ein kleines Volksfest mit militärhistorischen Aufführungen zum Thema organisiert worden, das gut besucht war. Durch die Organisatoren waren kostenfrei Wasser und eine Suppe aus der Feldküche für alle Teilnehmer bereitgestellt worden. Mit einem kleinen Umtrunk zur Ehrung der Gefallenen und auf die Freundschaft mit unseren polnischen Genossen beendeten wir diesen erlebnisreichen Tag. Marek wurde für seine Aktivitäten eine Medaille zum 70. Jahrestag der NVA überreicht, über die er sich sehr freute.
Wir möchten uns an dieser Stelle herzlich bei unseren polnischen Freunden für den gelungenen Tag und die gezeigte Gastfreundschaft bedanken.
Im Namen der Teilnehmer
Torsten Postrach/ Oltn. a.D.
Anmerkung:
I. Republik-Die Adelsrepublik 1569 – 1795, beendet durch die dritte polnische Teilung, II. Republik 1918-1939, sogenannte Zwischenkriegszeit, III. Republik-Volksrepublik Polen 1944/1952 bis 1989, durch die bgl. Geschichtsschreibung geleugnet, und die IV. (III. bgl.) Republik ab 1989