Aus dem Verbandsleben

Mit der "Wilhelm Pieck" in feindlichen Gewässern

Auf Einladung unserer Regionalgruppe in Rostock las Fregattenkapitän a.D. Dieter Flohr, aus seinem neuesten Buch (s.o.).
Es handelt sich um die legendäre Reise des Schulschiffes der Volksmarine 1981 nach Sewastopol betreffend den Alltag an Bord, nie gesehene Bilder sowie Erzählungen zu Seekriegsereignissen in den durchschifften Gebieten.
Im Verlauf der Lesung und der sich anschließenden Gespräche ging D.Flohr näher auf einige Fragen zum Buch ein.
 

1. Wie kam es zu dieser Idee?

Als ich zu dieser, für mich einmaligen Gelegenheit, befohlen wurde, setzte sich bei mir der Gedanke einer vielfältigen Auswertung danach fest.
Wie im einzelnen, blieb zunächst offen.
Auf der Grundlage meines eigenen Bordtagebuches hatte ich begonnen, eine Reihe von Artikeln zu schreiben, vor allem für die "Ostsee-Zeitung" und die "Armeerundschau".
Ich habe auch die Möglichkeit von Dia-Vorträgen genutzt. Einige hundert Fotos wurden ausgewertet und im Bildarchiv des Kommandos der Volksmarine zum regelmäßigen Gebrauch hinterlegt.
Im Rundfunk gestaltete ich mehrere Sendungen über die Fahrt und wirkte als Fachberater bei den Filmberichten des Ostseestudios sowie des Armeefilmstudios mit.
Mein Tagebuch habe ich über Jahre gut aufbewahrt und nach ersten Erfolgen mit anderen Marinebüchern wieder zur Hand genommen.
Ich schlug der BEBUG Verlagsgruppe in Berlin das Projekt für einen Erlebnisbericht vor. Der Verlag stimmte mit großem Interesse zu, ich begann zu schreiben.
Mir war klar, dass ich dafür noch fachmännische Unterstützung brauchte. Ich fand diese in der ehemaligen Stammbesatzung des Schulschiffes, insbesondere beim Kommandanten Gerhard Struck, Fregattenkapitän a.D.
Übrigens treffen sich ehemalige Mitglieder der Stammbesatzung heute noch regelmäßig.

2. Welche Aufgabe hast Du an Bord übernommen?

Zunächst erteilte mir der Chef der Volksmarine die prinzipielle Weisung als Chronist, Instrukteur und Verbindungsoffizier zu fungieren.
Da ich aber hauptsächlich als "Offizier für Öffentlichkeitsarbeit" tätig war, hatte ich mich noch zu folgendem entschlossen
- Mitarbeit an der täglichen politischen Arbeit an Bord, wie Gestaltung der Bordzeitung, Bordfunk u.a.
- Vorträge halten zu speziellen Ländern bzw. zur Seekriegsgeschichte,
- in Verbindung mit Filmen des Armeefilmstudios der Volksmarine spezielle militärische Fragen zu diskutieren.
Bei der Gestaltung dieser umfangreichen Öffentlichkeitsarbeit habe ich vielseitige Unterstützung erfahren. So z.B. bekam ich vom Sender Rostock diverse Musikbänder und Spielfilme - 16 mm vom Fischkombinat Rostock. Da wir unterwegs kaum noch DDR-Sender empfangen konnten, organisierte ich, dass vom Kommando der Volksmarine aktuelle Informationen - Zeitungsausschnitte zusammengestellt und der Besatzung übersandt wurden (Faksimile-Gerät). Vom Sender Rostock (Ferienwelle) erhielt ich ein Reportergerät, womit ich während der Fahrt Reportagen und Grüße von Besatzungsmitgliedern aufnehmen konnte. Leider war es aus praktisch/technischen Gründen nicht möglich, diese Grüße von Sewastopol nach Rostock zu übermitteln. Sewatopol/Hafen besaß keine Rundfunkstation.

3. Wie kam es zu diesem Titel?

Mein Titelvorschlag lautete zunächst "Die Reise nach Sewastopol". Der Verlag allerdings bestand auf einem mehr reisserischen Titel, und schließlich spielte auch hier der Kommerz eine wichtige Rolle. Ich protestierte, mußte dann aber zustimmen, damit das Buch erscheinen konnte. Heute finde ich, dass der Titel nicht ganz unberechtigt ist, wenn man bedenkt, dass unserer Schiffsverband im Grunde nur durch NATO-Gewässer gelaufen ist. Während der Fahrt sind wir unablässig von NATO-Kriegsschiffen und -Flugzeugen beschattet worden. Wir waren mitten in der Zeit des "Kalten Krieges".

4. Welche Absicht hast Du dabei verfolgt?

Meine feste Absicht war, dass zumindest eine der vielen Fahrten unseres Schulschiffes in die Häfen Europas und der Weltmeere einmal ausführlich dokumentiert wird. Das bedeutet zugleich, in der Öffentlichkeit Traditionen und Erinnerungen an die Volksmarine zu bewahren und nicht zu vergessen. Matrosen, Unteroffiziere und Offiziere haben in der Welt ihren Staat DDR würdig vertreten und ihren Auftrag vorbildlich erfüllt. Vielfach wurde dabei zum Ausdruck gebracht, die Besatzungen haben gehandelt wie Diplomaten in Uniform. Die Reise nach Sewastopol war ebenfalls ein Beweis für die verantwortungsvolle Pflichterfüllung der Angehörigen der Volksmarine.

5. Gibt es weitere Projekte?

Gegenwärtig befasse ich mich regelmäßig mit Beiträgen für "Köhlers Flottenkalender", den Fliegerkalender, die Zeitschriften "Clausewitz" und "Schiff classic", in denen neben historischen Artikeln aus der Welt der Seefahrt vor allem die Volksmarine betreffende Beiträge veröffentlicht werden. Außerdem habe ich Typenbücher über Panzer, Flugzeuge und Hubschrauber der NVA herausbringen können.
In Vorbereitung ist ein Buch über meinen Dienst als Presseoffizier, in dem ich sozusagen einen kurzen Abriss der Geschichte der DDR-Marine an Hand meiner dienstlichen Erlebnisse darstellen will. Der Erscheinungstermin steht allerdings noch nicht fest.

Schlussgedanken

Fregattenkapitän a.D. Dieter Flohr hat mit diesem Reisebericht seine langjährige literarische Arbeit erfolgreich fortgesetzt.
Mit der Lesung und dem Gedankenaustausch zum Buch wurde das Verbandsleben unserer Regionalgruppe bereichert und zum Nachdenken angeregt.
Eine besondere Zustimmung fand die Aussage, es geht nicht zuletzt um eine gerechte Anerkennung und Respektierung, was die Lebensleistung der Angehörigen der Volksmarine/NVA betrifft.

Viel Freude beim Lesen wünscht
Richard Luderfinger, Kpt. z. See a.D.

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