19.04.2026

Unglaublich, aber wahr: Besichtigung des ehemaligen Bunkers Ladeburg der FRBr 41


Einem Vorschlag unseres Mitgliedes Gen. Hptm. a.D. Dirk Pyrlik folgend, besichtigten Mitglieder unserer Regionalgruppe am 18.04.2026 den ehemaligen Bunker der Fla-Raketenbrigade (FRBr 41) in Ladeburg bei Bernau. Am Eingang begrüßten uns Torsten Stein und sein Mitstreiter Burkhard Pohler.

Vor dem Eingang zum Bunker; links: Der Wiederbeleber des Bunkers Torsten Stein

Vor dem Eingang zum Bunker; links: Der Wiederbeleber des Bunkers Torsten Stein

 

Sie erklärten uns kurz die Geschichte des Bauwerkes:

Der Bunker wurde zwischen 1982 und 1986 durch das Ingenieurbauregiment 2 (IBR-2) in Albertshof erreichtet, zu dem damals auch Gen. Pyrlik als Zugführer für den pioniertechnischen Ausbau dieses Bauwerks gehörte. Der Bunker hat die Ausmaße 30x35 m, eine Nettofläche von 1500 m² und 70 Räume. Nach Fertigstellung nahm das Bauwerk 1986 seinen Betrieb auf. Ab jetzt wurde dort im Regime 24/7 gearbeitet: Hier wurde die Luftlage für die 41. Fla-Raketenbrigade dargestellt und 10 Fla -Raketenabteilungen im Umkreis von Berlin geführt. Der Bunker sollte die Besatzung und die Technik vor den Wirkungen von konventionellen, chemischen, biologischen und Kernwaffen schützen sowie einen von der Außenwelt unabhängigen Betrieb des Gefechtsstandes gewährleisten (heute wissen wir längst, dass zwei oder auch vier Wochen Überleben eine Kernwaffenschlages uns auch nicht vor dem sicheren Tod retten). So befanden sich im Bunker neben den Arbeits- und Nachrichtenräumen auch eine große Anzahl technischer Betriebsräume, um das Bauwerk zu betreiben. Der Bunker verfügte beispielsweise über ein Schleusensystem, eine Filter- und Klimaanlage für die Frischluft, eine eigene Wasserversorgung mit Tiefbrunnen, eine Netzersatzanlage (NEA) für eine unabhängige Energieversorgung sowie eine Krankenstation, eine Küche und Ruheräume.

Mit der Wiedervereinigung 1990 wurde aus der 41. Fla.-Raketenbrigade der NVA das Fla.-Raketengeschwader 52 der Bundeswehr. Nach dem Ende des Kalten Krieges und der fehlenden Bedrohung verloren jedoch der Standort Ladeburg und somit auch der Gefechtsstand seine Bedeutung. So wurde der Gefechtsstand nicht mehr rund um die Uhr betrieben. Die einzelnen Standorte der Brigade wurden aufgelöst und schließlich 1992 auch der Bunker außer Dienst gestellt. Anschließend erfolgte durch die Bundeswehr ein Rückbau der technischen Einrichtung (sprich Plünderung) und der Verschluss des Bauwerkes.

2001, also vor 25 (!) Jahren, erwachte in Torsten Stein das Interesse für den Bunker und er erhielt vom neuen Eigentümer des Bauwerkes die Genehmigung, dieses wieder zum Leben zu erwecken. Eine Mammutaufgabe! In Ein- bzw. - Zweimannarbeit wurde zuerst der Eingang wieder freigelegt, Bauschutt schubkarrenweise abgefahren und sich nach und nach von einem Raum zum anderen vorgearbeitet. Dann wurde die elektronische Steuerungs- und Überwachungsanlage Schritt für Schritt wieder in Gang gesetzt. Da die Bundeswehr beim Verlassen des Objektes aber auch lebenswichtige Kabel mit 300 Adern mehrfach zerschnitt, war das eine wahnsinnige Puzzlearbeit, die mehr als 3 Jahre dauerte. Als nächste Etappe stand, die Räume wieder mit der ursprünglich vorhandenen, jedoch von der Bundewehr restlos ausgeräumten Technik auszustatten. Ein unglaublich schwieriges Unterfangen: Woher nehmen? Es gab davon ja 25-30 Jahre nach der Einvernahme der DDR durch die BRD nichts mehr. Hier halfen den beiden Protagonisten Kontakte zu Herstellerfirmen und zu den Betreibern ähnlicher Bauwerke. Nach und nach füllten sich die Räume und auch der zentrale Raum, das eigentliche Herzstück des Bunkers, der Gefechtsstand mit der riesigen Luftlagekarte (s. nachstehend), hinter der bei komplizierten Luftlagen bis zu 12 Planzeichner arbeiteten, konnte wieder in seine Ausgangslage gebracht werden.

Luftlagekarte

Nach zwei Stunden endete die überaus beeindruckende Führung.

Ich selbst habe als ehemaliger Offizier der Fla-Raketentruppen der NVA schon viele Bunkeranlagen gesehen. Aber das, was wir, die teilnehmenden Mitglieder der RG Strausberg hier in Ladeburg sehen und hören konnten, hat uns tief und nachhaltig beeindruckt: Was dieses Miniteam hier zustande gebracht hat, ist eigentlich unbeschreiblich. Man muss es einfach gesehen haben. Mit unwahrscheinlicher Ausdauer, viel selbst angeeignetem Fachwissen und daraus erwachsenem technischen Verständnis, riesigem Enthusiasmus, sicher nicht wenig eingesetztem privaten Geld und ein wenig "Verrrücktsein" ist hier ein Zeugnis der Geschichte zum Erleben und Anfassen entstanden! Man muss die Beiden unbedingt empfehlen und unterstützen!

Fazit: Unser Ausflug zum Bunker Ladeburg hat sich absolut gelohnt und ist nur zu empfehlen!

Im Gefechtsstand vor der Luftlagekarte, v.l.n.r.: Dr. J. Knobloch, G. Laurich, N. Selicko, D. Pyrlik, Dr. G. Weber, M. Grätz, W. Beck

Im Gefechtsstand vor der Luftlagekarte,
v.l.n.r.: Dr. J. Knobloch, G. Laurich, N. Selicko, D. Pyrlik, Dr. G. Weber,
M. Grätz, W. Beck

 

 

Oberstleutnant a.D. Dr. Jörg-U. Knobloch
Vorsitzender der RG Strausberg

 

 

 

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