06.08.2025

Quadriga 2025 - Säbelrasseln an der "Ostflanke"

von Dr. Dörte Hansen

 

Von Mitte August bis Ende September 2025 führt die NATO im Rahmen des Manövers "Quadriga 2025" eine ganze Serie von Übungen durch. Das erklärte Ziel des Manövers ist alarmierend genug: Es soll die Verlegung von Truppen und Gerät zu Lande, zur Luft und zur See nach Litauen geübt werden und damit ein "Beitrag zur gesamtstaatlichen Abschreckung" geleistet werden. Angesichts der Örtlichkeit (Litauen) und Dimensionen sei die Frage erlaubt: Wirklich nur zur Abschreckung? Und warum findet das Teilmanöver "Brave Blue & Safety Fuel" eigentlich direkt an der Litauisch-belorussischen Grenze statt? Warum die großmaßstäbliche Verlegung von Truppen a) durch und über die Ostsee und b) über Polen auf dem Landweg?
Bezeichnend auch: Die Gesamtverantwortung für Quadriga 2025 wurde dem erst am 1. April 2025 neu eingerichteten NATO-Marinekommando in Rostock übertragen.

Die Dimensionen:
An dem Großmanöver beteiligen sich insgesamt 15 NATO-Staaten: Deutschland, die USA, Großbritannien, Frankreich, die Niederlande, Belgien, Portugal, Dänemark und Belgien, dazu natürlich Polen, die drei baltischen Staaten Lettland, Litauen und Estland, und - nicht überraschend - Schweden und Finnland. Die letztgenannten Staaten waren erst 2024 bzw. 2023 der NATO beigetreten. Die Teilnahme sämtlicher NATO-Anrainerstaaten betont dabei zugleich den erklärten Anspruch der NATO auf die Ostsee. Die Gesamtzahl der an Quadriga 2025 beteiligten Soldaten lässt sich auf Grundlage der bisher veröffentlichen Informationen nicht mit Sicherheit angeben. Fest steht nur, dass Deutschland dabei eine Schlüsselrolle zukommt und sich die Bundeswehr mit etwa 8700 Soldaten beteiligt.

Die Teilmanöver

Role2Sea: 18.-29. August
Gegenstand dieser Teilübung ist die medizinische Versorgung der Soldaten von der Erst- und präklinischen Versorgung über die Klinik bis hin zur Langzeitrehabilitation. Im Zentrum steht das Rettungszentrum See auf der "Frankfurt am Main". Mit 30 "Verwundeten" soll der Ablauf der standardisierten Rettungskette (Role 1 bis 7) geübt werden.

Brave Blue & Safety Fuel: 29. August bis 12. September
Im Zentrum dieses Teilmanövers steht die Logistik, d.h. der Transport von Truppen und Material über Straße, Schiene, Luft und See nach Litauen. Besonderes Augenmerk gilt dabei der Sicherstellung der Versorgung mit Wasser und Treibstoff in Litauen und dem Schutz der dazu benötigten Infrastruktur.

Silver Dagger: 25. August bis 12. September
Aktionsgebiet dieses Teilmanövers ist Finnland, wo Spezialeinheiten verschiedener NATO-Staaten (u.a. aus Großbritannien) und deutsche Luftstreitkräfte gemeinsam "Stärke" zeigen wollen.

Air Mag Day: 1. bis 4. September
Hier geht es um die Unterstützung mariner Operationen durch die US Air Force.

Northern Coasts: 29. August bis 12. September
Wie der Name bereits vermuten lässt, spielt sich dieses Teilmanöver, an dem allein die Bundeswehr mit 40 Schiffen und 2700 Soldaten beteiligt sein wird, an den Küsten der Ostsee ab. Hierzu heißt es auf den Internetseiten der Bundeswehr: "Vom 1. bis 12. September 2025 üben multinationale Seestreitkräfte unter deutscher Leitung in der Ostsee, um Fähigkeiten zur Landes- und Bündnisverteidigung weiterzuentwickeln und Präsenz zu zeigen. ...Northern Coasts unterstreicht den festen Willen der Partnernationen, die strategisch bedeutende Ostseeregion zu sichern " Im Vordergrund steht die taktische Planung und Durchführung maritimer Operationen im küstennahen Raum, wobei "realistische Bedrohungsszenarien" aus Luft, Wasser und von Land simuliert werden - immer mit dem Auge auf Russland, versteht sich. Außerdem soll die Integration der britischen Joint Expeditionary Force in NATO-Übungen verbessert werden. Die operative Leitung von "Northern Coasts" liegt bei dem Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Jan Christian Kaack und dem ihm unterstützenden Führungsstab Commander Task Force Baltic in Rostock.

National Guardian: 29. August bis 12. September
Dieses deutschlandweite Teilmanöver charakterisiert wie kein anderes den mittlerweile in Deutschland herrschenden Zeitgeist und lässt tief blicken. Die Erklärung der Bundeswehr auf ihrer Internetseite spricht für sich: "Kern der Übung ist der Betrieb der Drehscheibe Deutschland, denn im Bündnisfall zählt es zu den wesentlichen Verpflichtungen Deutschlands in der NATO , multinationale Verstärkungskräfte bei ihrem Aufenthalt in und Transit durch Deutschland zu unterstützen. Das kann im Ernstfall bedeuten, dass innerhalb von sechs Monaten bis zu 800.000 Soldatinnen und Soldaten sowie bis zu 200.000 Fahrzeuge in Deutschland untergebracht, versorgt und weiterverlegt werden müssen. Parallel dazu findet der Aufmarsch der deutschen Einsatzkräfte statt. Die Unterstützung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und im Operationsplan Deutschland ausgeplant."
Im Rahmen von National Guardian wird der Betrieb und die Sicherung eines Verladebahnhofs für den Transport von schweren Waffensystemen und Kettenfahrzeugen innerhalb Deutschlands und Betrieb/Sicherung eines Seehafens für den Transport an die "NATO-Ostflanke"geübt. Für die Verlegung wird auf einen Flughafen zurückgegriffen. Zudem werden 2 Convoy Support Center als Rastpunkte für die Kräfte eingerichtet, die für weitere Manöver im Rahmen von Quadriga per Straße nach Litauen verlegt werden. Erstmals wird hierbei auch der "Heimatschutz" der Bundeswehr intensiv in die Übung mit eingebunden. Den im "Heimatschutz" organisierten Reservisten kommt der Schutz von Depots, Seehäfen, Verladebahnhöfen und der Convoy Support Center zu.
Konkret geht es u.a. um die Verlegung einer Kompanie des Panzerbataillons 104 aus Pfreimd (Bayern) nach Litauen, wo es unter Führung der Panzerbrigade 12 mit litauischen Soldaten "das gemeinsame Gefecht zur Verteidigung des Bündnisgebietes üben" soll. Die Verlegung ist Teil dieser Übung. In einem ersten Schritt werden die Gefechtsfahrzeuge des Bataillons nach Rostock transportiert, von wo aus sie per Fähre nach Litauen verschifft werden. Die Truppe fährt ihre Panzer selbst zum Verladebahnhof und übernimmt auch noch die Verladung auf die Wagons. Das Heimatschutzregiment 1 sichert derweil ab. Der weitere Transport erfolgt ohne Beteiligung der Soldaten; sie übernehmen erst wieder in Litauen. Nach gut 20 Stunden sollen die Panzer im Seehafen Rostock ankommen. Im Laufe der nächsten Tage werden hier noch weitere Gefechtsfahrzeuge der Bundeswehr per Bahn erwartet - insgesamt gut 160 Kampf-, Schützen- und Transportpanzer, dazu Panzerhaubitzen, Minenräumpanzer, Lastwagen usw.
Die in Burg stationierte 7. Kompanie des Logistikbataillons 171 "Sachsen-Anhalt" übernimmt sodann den Umschlag der Fahrzeuge und Waffensysteme bis hin zur Verladung auf die Fähre; der Heimatschutz sichert unterdessen ab. Für die nötige "Abwechslung" bzw. zur Übung der Wach- und Sicherungsfertigkeiten der Reservisten wird dabei eine plötzlich auftauchende Drohne am Checkpoint sorgen. Schließlich wird auch noch die Abwehr einer "Sabotage von See" während des Verladevorgangs geübt. Letzter Teil der Verlegeübung ist dann natürlich die Überfahrt mit der Fähre. In Litauen angekommen, werden die Fahrzeuge von den Soldaten des Panzerbataillons übernommen und auf den litauischen Übungsplatz Pabradé verlegt - "bereit für ihren weiteren Auftrag an der NATO-Ostflanke".

 

Quellen:
www.bundeswehr.de (sämtliche deutsche Zitate)
https://xpert.digital/en/military-exercise-series/ (Autor: Konrad Wolfstein)

 

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