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Zum 100. Geburtstag von Admiral Dr. W. Ehm

Von Admiral a.D. Theodor Hoffmann

E. EhmAm 30. August wäre der dienstälteste Chef einer Teilstreitkraft der Nationalen Volksarmee, der Chef der Volksmarine Admiral Dr. Ehm 100 Jahre geworden.
Admiral Ehm hat die Volksmarine geprägt und viele Generationen Volksmarineangehöriger erzogen.
Die Verbindung zur See wurde Wilhelm Ehm schon in die Wiege gelegt. Er wurde im bedeutenden Kriegshafen Pola geboren. Sein Vater war als Waffenmeister bei der Marine tätig.
Nach Abschluss der Volksschule erlernte er den Beruf eines Elektrikers. Er wurde Mitglied der Sozialistischen Arbeiterjugend und des Internationalen Metallarbeiter Verbandes und setzte sich für die politischen und sozialen Rechte der Arbeiter ein.
Von 1939 bis 1945 diente er in der Wehrmacht und erreichte den Dienstgrad eines Oberfunkmeisters.
Er geriet in sowjetische Kriegsgefangenschaft, aus der er wegen guter Arbeit als Brigadier sowie seiner aktiven Mitarbeit im Antifa-Aktiv des Lagers 1947 entlassen wurde.
Ehm hat die Folgen des Krieges erlebt. Er wollte fortan dafür wirken, dass sich so etwas nicht wiederholt. Er Wurde Mitglied der SED und begleitete Parteifunktionen auf der Insel Rügen. Im Juni 1950 erhielt er den Auftrag, am Aufbau der Verwaltung Seepolizei teilzunehmen und wurde als Oberkommissar eingestellt.
Bis 1954 war er in leitenden Dienststellungen im Nachrichtenbereich, in der im Aufbau befindlichen militärischen Aufklärung und auf dem Gebiet der Gefechtsausbildung tätig.
1954 wurde er Stellvertreter des Chefs des Stabes der Volkspolizei-See und Leiter der Org.-Abteilung. 1958, mit der Schaffung des Stellvertreterbereiches für Rückwärtige Dienste, wurde der gerade erst zum Kapitän zur See ernannte Ehm Stellvertreter des Chefs der Seestreitkräfte für Rückwärtige Dienste.
1959 wurde ihm die Verantwortung für die Seestreitkräfte der DDR als deren Chef übertragen. Gründlichkeit, Zuverlässigkeit und Verantwortung zeichneten ihn in seiner Tätigkeit aus
Um der nun größeren Verantwortung gerecht zu werden, bat er um die Delegierung zum Studium an der Seekriegsakademie in Leningrad, schloss extern ein Studium an der Militärakademie „Friedrich Engels“ mit Sonderdiplom ab und promovierte im Kollektiv zu Grundfragen der Entwicklung und Rolle der Volksmarine in der Nationalen Volksarmee als Teil der verbündeten Ostseeflotten.
Ich selbst hatte die Gelegenheit zweimal mit Admiral Ehm an der Seekriegsakademie in Leningrad zu studieren, davon einmal in einer gemeinsamen Studiengruppe. Ich kann dadurch und durch gemeinsame Arbeit bei Übungen sehr gut bestätigen, dass er über einen hohen Sach- und Fachverstand verfügte.
Seine Erfahrungen und sein Rat waren in den Flotten des Warschauer Vertrages gefragt. Das enge Verhältnis zu den verbündeten Flotten lag ihm sehr am Herzen. Waffenbrüderschaft lebte er persönlich vor. Mit den Befehlshabern der Baltischen Flotte der UdSSR Admiral Michailin und Admiral Sidorow sowie mit dem Chef der Polnischen Seekriegsflotte Admiral Janczyscyn verbanden ihn echte persönliche Freundschaften.
Admiral Ehm war mit Leib und Seele Angehöriger der Volksmarine und verknüpfte mit ihr sein Leben. Ihn interessierte nicht nur dienstliche Seite, sondern auch das Leben der Angehörigen der Volksmarine und ihrer Familien. Bei Aufenthalten in den Standorten suchte er immer den persönlichen Kontakt. Ihn interessierte, ob die Matrosen eine Freundin haben, wie die Landgangsbedingungen am Standort sind, ob das Essen schmeckt und reichlich ist, wie unter Beachtung der Forderungen der Gefechtsbereitschaft der zustehende Urlaub gewährleistet ist und ob sie mit dem Niveau der Gefechtsausbildung zufrieden sind.
Admiral Ehm stellte hohe Forderungen an die Kommandeure und achtete auf die strikte Durchsetzung der militärischen Bestimmungen und Gesetze.
Gleichzeitig war er verständnisvoll und nachsichtig gegenüber jüngeren Vorgesetzten. Ihnen gab er wertvolle Ratschläge und organisierte Hilfe und Anleitung. Er hatte die Gabe, mit seinen Unterstellten auf gleicher Augenhöhe zu sprechen.
Admiral Ehm war ein Familienmensch. Siebenundsechzig Jahre führte er mit seiner Frau Melitta eine glückliche Ehe. Trotz der hohen dienstlichen Belastung fand er für seine drei Söhne immer Zeit und formte ihre Neigungen. Er war stolz darauf, dass seine Söhne erfolgreiche Seeoffiziere wurden.
Nach 26 Jahren als Chef der Volksmarine, darunter viele Jahre als Stellvertreter des Ministers, ging Admiral Dr. Ehm 1987 in den verdienten Ruhestand. Den Kontakt zur Volksmarine und ihren Angehörigen hat er nie verloren.
Admiral a.D. Dr. Wilhelm Ehm verstarb kurz vor Vollendung des 91. Lebensjahres in Rostock. In einer beeindruckenden Trauerfeier gaben ihm ehemalige Angehörige der Führung der Nationalen Volksarmee und ehemalige Angehörige der Volksmarine das letzte Geleit.
Die Geschichte der Nationalen Volksarmee und besonders der Volksmarine ist untrennbar mit dem Leben und Wirken von Admiral Dr. Ehm verbunden.
Wir werden ihn nie vergessen.